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"Stern von Bethlehem" –
Seminarvortrag von Maria Schwarz und Diep Tran
Maria:
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Kerssens,
wir begrüßen Sie herzlich hier in der Volksbank Kirchheim/ Teck und
freuen uns, dass Sie sich heute so zahlreich hier eingefunden haben, um etwas
über den Stern von Bethlehem zu erfahren. Besonders freut uns Ihr Interesse, da
Weihnachten und somit auch die aktuelle Thematik des Sterns von Bethlehem nun schon wieder etwas zurück liegt.
Wir möchten es auch nicht versäumen der Volksbank und insbesondere
Ihnen, Herr Kerssens, für die Bereitstellung Ihrer Räumlichkeiten zu danken, um
unsere Ausstellung der Öffentlichkeit zeigen zu können. Vor allem aber gilt
unser Dank dafür, dass wir heute unseren Vortrag in einem solch schönen Saal
halten dürfen.
Mein Name ist Maria Schwarz und das ist Diep Tran und wir besuchen
beide die 13. Klasse des Ludwig-Uhland-Gymnasiums in Kirchheim/Teck. Letztes
Schuljahr, also 2002 / 2003, haben wir an dem von unseren Lehrern Susanne
Staiger und Martin Kieß geleiteten Seminarkurs teilgenommen, der eine
Fortsetzung zu den früheren Seminarkursen
darstellte und sich mit dem Thema „Mittelalterliche Achteckbauten“ beschäftigte. Obwohl unser Seminarkurs nun
schon über ein halbes Jahr zu Ende ist und die Zeugnisse längst gemacht sind,
geht die Arbeit unter den Fittichen von Herrn Kieß ständig weiter und bis heute
werden die Seminararbeiten beinahe täglich verbessert und erweitert. Nun stellt
sich jedoch die Frage, wie man von profanen Achteckbauten plötzlich auf den
hochheiligen Stern von Bethlehem kommen kann.
Der Seminarkurs 2001/2002, also unser Vorgängerkurs, setzte sich
in erster Linie mit der Geschichte und Architektur von Castel del Monte in Apulien
auseinander. Schon seit über 100 Jahren versuchen Forscher das Rätsel der Achteckform des Gebäudes zu
entschlüsseln, ohne auch nur ansatzweise dafür eine befriedigende Erklärung zu
finden. Der Seminarkurs 2001/02 knackte das Rätsel der Achteckform, indem er
den Schlüssel in Gestalt eines fast regelmäßigen himmlischen Achtecks fand, das
von den Planeten am 47. Geburtstag des Kaisers Friedrichs II., der bekanntlich Castel del Monte erbauen
ließ, gebildet wurde. Bei der Suche nach weiteren himmlischen Achtecken, auch
Achtsterne genannt, fand Martin Kieß einen Achtstern, der in die Zeit der
möglichen Geburt Christi fällt. Und so entstand unser Thema, bei dem es im
Wesentlichen um verschiedene astronomische Theorien zum Stern von Bethlehem
geht, vor allem aber um unsere eigene.
Diep:
Zunächst möchten wir Ihnen einen kurzen Überblick über unseren
Vortrag geben und Sie bereits darauf hinweisen, dass es zwar leicht
verständliche Passagen geben wird, aber auch Teile, die ohne Vorwissen etwas
schwerer nachvollziehbar sind, da sie auf Astronomie und Astrologie aufbauen.
Aber Sie können ja am Ende unserer Ausführungen Fragen stellen, und unser
Vortrag wird auch ins Internet gestellt.
Zuerst möchten wir die wesentlichen Passagen des
Matthäus-Evangeliums vortragen, die die Grundlage aller Überlegungen zum Stern
von Bethlehem bilden.
Die Vorstellung der bisher bekannten Theorien stellt den nächsten
Teil dar - hier folgen wir z.T. Dieter B. Herrmanns 'Stern von Bethlehem'
- Berlin 1998.
Danach werden wir Horoskope römischer Kaiser, wie die von Hadrian
und Nero analysieren und aufzeigen, was sie aus dem Blickwinkel
astrologiegläubiger Römer zu Kaiserhoroskopen machten und fragen dann, ob die
Magier wegen solch eines zunächst unbekannten Horoskophalters den weiten Weg von
Babylon nach Bethlehem auf sich genommen hätten. Die Darstellungen in der
mittelalterlichen Kunst lassen anderes vermuten. Eine kleine musikalische Reise
durch die mittelalterliche Bilderwelt soll Ihnen dies verdeutlichen, ehe wir
Ihnen die von unserem Seminarkurs erarbeitete Theorie, die Achtsterntheorie,
vorstellen dürfen, die unter dem Motto steht: „Der Weizenährenstern Spica ist
der Stern der Stadt des Brotes, der Stern von Bethlehem."
Beginnen wir nun also mit dem Evangeliumstext nach Matthäus, der
im letzten Fünftel des ersten Jahrhunderts nach Christus wohl in Antiochia im
nördlichen Syrien in griechischer Sprache geschrieben wurde und hier in der
deutschen Einheitsübersetzung wiedergegeben wird.
Maria:
„Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa
geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten:
Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen
und sind gekommen um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und
mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des
Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren
werden solle. Sie antworteten ihm:
In Bethlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Bethlehem
im Gebiet von Juda / bist keineswegs die unbedeutendste / unter den führenden
Städten von Juda; / denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, / der Hirt meines
Volkes Israel.
Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich
von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach
Bethlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und
wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm
huldige. Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der
Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das
Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen wurden sie von sehr
großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria,
seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre
Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil
ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie
auf einem anderen Weg heim in ihr Land.“
Diep:
Dieser Bibeltext kann jedoch nicht als eindeutige, geschichtliche
Grundlage dienen, da allein in der deutschen Übersetzung vier bekannte
Fassungen vorliegen und viele Stellen des griechischen Urtextes nicht wörtlich,
sondern astronomisch bzw. astrologisch gedeutet werden müssen. Darauf werden
wir bei der Darlegung unserer eigenen Theorie noch einmal zurückkommen.
Maria:
Die Kometentheorie

Ein Komet
Im 3.Jahrhundert n. Chr. nahm der aus Alexandria stammende
christliche Gelehrte Origenes an, dass der Stern von Bethlehem ein Komet
gewesen sei - nachdem er den Halley'schen Kometen am Himmel des Jahres 218 n.
Chr. hatte bewundern können.
Auch im Jahre 1301 hatte der italienische Maler Giotto das Glück
den Halley'sche Komet bei seiner Erdannäherung am Himmel strahlen zu sehen.
Dieses außergewöhnliche Schauspiel hat ihn so beeindruckt, dass er
es in seinem bekannten Fresko "Die Anbetung der Könige" verarbeitete.
Der Komet erscheint dort als Weihnachtsstern.
Auch viele spätere Künstler haben den Stern von Bethlehem ebenfalls in
Gestalt eines Kometen dargestellt.
Das Wort Komet kommt aus dem griechischen und bedeutet
"behaart", was sich auf die Form des Schweifes zurückführen lässt,
den der Komet hinter sich herzieht.. Kometen sind kilometergroße Klumpen aus
Eis und Staub. Bei der Annäherung an die Sonne beginnt ein Teil des Eises zu
verdampfen. Mit ihm werden auch Gas und Staubteilchen freigesetzt und eine riesige
Wolke, die so genannte Koma, entsteht um den Kometenkern herum. Die Koma ist
oft zehntausend Mal größer als der Kern. Die Gas- und Staubteilchen in der Koma
reflektieren das Sonnenlicht und der Komet wird für uns sichtbar.
Ein Teil der verdampften Materie bleibt auf der Flugbahn zurück.
Dieser Schweif wird auch vom Sonnenlicht reflektiert. Er kann einige Millionen
Kilometer lang werden, denn je mehr der Komet sich der Sonne nähert, desto mehr
Eis und Staub verdampfen und desto länger ist der Schweif des Kometen. Die
Sonne bläst zusätzlich durch den so genannten Strahlungsdruck Staub von der
Koma weg. Bildlich gesprochen: Das Licht bombardiert die Staubteilchen und
schubst sie aus der Bahn des Kometen. Da sich die Bahnbewegung des Staubs und
seine Bewegung durch den Strahlungsdruck überlagern, ist der Staubschweif oft
leicht gekrümmt.
Diep:
In dem möglichen Zeitraum gibt es nur von einem einzigen Kometen
Aufzeichnungen. Chinesische Hofastronomen beobachteten im Jahr 5 v. Chr. einen
auffälligen Kometen, der etwa 70 Tage
im Steinbock sichtbar war.
Der britische Professor Colin Humphrey ist der bekannteste
Vertreter der Kometentheorie, die er seit der Veröffentlichung seines Buches im
Jahre 1979 trotz massiver Kritik eisern vertritt.. Nach ihm kündigte die Große
Konjunktion von Jupiter und Saturn in den Fischen im Jahr 7 v. Chr. nach
astrologischem Glauben die bevorstehende Geburt Jesu an. Später gesellte sich
der Komet von 5 v. Chr. hinzu, der von chinesischen Astronomen registriert
wurde und der den Erdenbewohnern signalisieren sollte, dass die Geburt
unmittelbar bevorsteht.
Ein Problem dieser Theorie ist aber, dass die Deutung von Kometen als schlechtes Omen oder als
Zeichen für eine bevorstehende Strafe Gottes für das sündige Leben der Menschen
weitaus verbreitet war. Im Jahr 1066 n. Chr. hatte der Halley'sche Komet einen
großen Auftritt. Er tauchte im Frühjahr auf - zu einer Zeit der politischen
Instabilität. Harold der Zweite hatte in England den Thron bestiegen. In der
Schlacht von Hastings fiel Harold und die Menschen sahen sich in der Deutung
des Kometen als Unheilsbringer bestätigt.
Ein weiteres Beispiel für einen unheilbringenden Kometen, war der
sehr helle Komet des Jahres 44 v. Chr., der über viele Wochen jede Nacht in Rom
sichtbar war und den Mord an Julius Cäsar signalisierte. Auf einen dritten
Kometen werden wir im Zusammenhang mit dem römischen Kaiser Nero noch kommen.
Gegen die Kometentheorie spricht auch, dass die Erscheinung des
Weihnachtssterns wahrscheinlich nicht allzu spektakulär war. Ansonsten hätte
Herodes sich nicht heimlich bei den Magiern erkundigen müssen, wann der Stern
erschienen sei. Er oder seine Ratgeber hätten ihn selbst beobachten können. Ein
Komet kommt deshalb als Stern von Bethlehem nicht in Frage.
Maria:
Die große Konjunktion

Die Konjunktion
Nun möchten wir Ihnen die wohl bekannteste Theorie vorstellen, die
auch von den meisten Planetarien vertreten
und auf ihren Kuppeln eindrucksvoll vorgeführt wird. Johannes Kepler beobachtete
Anfang des 17. Jahrhunderts drei Konjunktionen von Jupiter und Saturn innerhalb
weniger Monate. Dabei kommen sich diese Planeten scheinbar sehr nahe, auch wenn
sie in Wirklichkeit sehr weit auseinanderliegen, da sie sich mit
unterschiedlichen Abständen um die Sonne bewegen. Von der Erde aus gesehen,
könnte man jedoch meinen, dass sich die Planeten bis auf einen sehr geringen
Abstand aufeinander zu bewegen. Kurz nach der von ihm beobachteten
Dreifachkonjunktion konnte Kepler eine Supernova, das heißt einen sogenannten
neuen Stern, am Himmel registrieren, was er für eine Folge dieser Konjunktion
hielt, und als großer Forscher suchte er den Zusammenhang zwischen der
Dreifachkonjunktion und der nachfolgenden Supernova aufzudecken. Zu diesem
Zweck bestimmte er die Termine in der Menschheitsgeschichte, an denen
Dreifachkonjunktionen aufgefallen waren. Kepler berechnete eine solche
dreifache Konjunktion für den 27.März, den 6.Oktober und den 1.Dezember im
Jahre 7 v. Chr. und zwar jeweils im Sternbild der Fische.
Allerdings fand er für die folgende Zeit keine Supernova. Kepler
war überzeugt, das die Dreifachkonjunktion das Vorzeichen der Geburt Christi
war, die dann schließlich mit der von ihm und auch den modernen Forschern nicht
nachzuweisenden Supernova vonstatten gehen sollte. Heute ist Konradin Ferrari
d’Ochieppo der wichtigste Vertreter
einer etwas modifizierten Theorie, die nur noch auf die Dreifachkonjunktion
setzt. Seine Theorie ist jetzt kurz darzulegen:
Für die Astronomen zur
Zeit Christi war nicht nur die
Berechnung, sondern bevorzugt die Deutung dieses stellaren Großereignisses von
Wichtigkeit. Die Planeten waren für sie keine Himmelskörper, sondern die Götter
selbst: Für Babylon entsprach alles, was sich am Himmel abspielte, Ereignissen
auf der Erde.
Jupiter stand für den höchsten babylonischen Gott Marduk, er war
„Der Königsstern“ schlechthin. Saturn entsprach dem Gott Kajawanu, einem
Wandelstern, der mit dem König in Israel in Verbindung gebracht wurde, und
stand im Sternbild der Fische, dem
himmlischen Entsprechungsort des Landes Israel. Für die babylonischen
Astronomen war also klar: jetzt ist in Palästina ein neuer König geboren und
Babylons König sollte hingehen, um diesem neuen König zu huldigen. Die
Assoziation zu einem König der Juden war also nahe liegend.
Diese Planetenstellung könnte eventuell durch das Zodiakallicht
(von gr. Zodiakos = Tierkreis) ergänzt worden sein. Diese Leuchterscheinung ist
besonders in Äquatornähe vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang zu sehen.
Es handelt sich hier um eine dreieckige Erscheinung, die durch Reflektion
entsteht. Die Magier könnten die Konjunktion über dem Haus mit dem kegelförmig
darauf scheinenden Zodiakallicht gesehen haben.
Diep:
Für diese Theorie spricht, dass im Jahre 126 v. Chr. eine
Begegnung von Saturn und Jupiter einen jüdischen König hervorgebracht hatte,
der es zu einem ansehnlichen Königreich bringen sollte.
Jedoch spricht gegen diese Theorie, dass im Evangelium von einem
Stern die Rede ist.
Selbst zum Zeitpunkt der größten Annäherung von Jupiter und
Saturn, in der sie den selben Längengrad einnahmen, wichen sie in bezug auf
ihren senkrechten Abstand vom Tierkreis immer noch etwa 1° von einander ab -
dies ist mehr als ein Monddurchmesser. Von einem Stern kann also gar keine Rede
sein.
Der Religionswissenschaftler Werner Papke verweist darauf, dass
Jupiter seit den Tagen des alten Babylon als das himmlische Abbild des
babylonischen Königs Marduk angesehen wurde. Babylonische Sternkundige wie die
Magier würden deshalb niemals auf die Idee kommen, den Planeten Jupiter mit
einem fremden König in Verbindung zu bringen.
Mit dem Sternbild Fische steht es auch nicht viel besser. Die
astrologische Deutung der Fische als Zeichen des Volkes Israel kommt nach Papke
erst im späten Mittelalter vor. Eine klassische Quelle oder einen
Keilschrift-Text, worin es mit Palästina oder dem Land der Juden identifiziert
wird, gibt es nach seiner Bekundung nicht, vielmehr stand das Sternbild Widder
für Palästina.
Diese Theorie ist also nicht mit den Prinzipien und der Praxis der
antiken Astrologie zu vereinbaren.
Maria:
Die Supernovatheorie
Als letzte der bekannten Theorien möchten wir Ihnen die
Supernovatheorie nach Werner Papke vorstellen. Nach ihm soll eine Supernova am
30. August 2 v.Chr., die Geburt des
Messias angekündigt haben.
Eine Supernova ist ein schwerer Stern, der sein Leben aushaucht.
Er endet in einer Explosion, bei der er gewaltige Mengen an Materie und Energie
ins All schleudert. Im Moment der Explosion leuchtet eine Supernova so hell wie
alle anderen Sterne ihrer Galaxie zusammen, also heller als mehrere Milliarden
gewöhnlicher Sterne. Ein ferner Fixstern, der plötzlich einen
Supernova-Ausbruch erleidet, musste Kepler und seinen Zeitgenossen wie ein
neugeborener Stern erscheinen (da weder die eigentliche Natur der Sterne noch
ihre Entfernung bekannt waren). Wegen der großen Entfernung war von dem Stern
vor dem Ausbruch überhaupt nichts zu sehen.
Der plötzliche Helligkeitsausbruch auf das bis zu
100millionenfache des Ausgangswertes führt dann zu dem Eindruck, dort sei ein
Stern geboren worden, woraus sich auch der Terminus „Nova“ (stella nova - neuer
Stern) ableitet.
Werner Papke meint, dass eine Nova oder Supernova „als einzige
wissenschaftlich vertretbare Möglichkeit“ übrig bleibe, nachdem er alle anderen
Thesen ausschließen könne. Papke ist überzeugt, „dass es seit Jahrtausenden
bereits eine und nur eine ausgezeichnete Stelle am Himmel gab, an der ein neuer
Stern erscheinen musste, damit er als Stern des Messias erkannt wurde“. Um die
Stelle der Supernova zu bestimmen benützt der Autor den alten babylonischen
Sternhimmel im 3.Jahrtausend v. Chr., wo hinter dem Sternbild Löwe das Bild
einer Jungfrau stand. Bei den Chaldäern wurde sie als Erua bezeichnet, was
übersetzt: „Diejenige, welche den in Eden verheißenen Samen gebären wird“,
bedeutet.
Bereits beim Propheten Jesaja heißt es:
„Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, / einen Sohn wird sie
gebären, / und man wird ihm den Namen Immanuel gegeben“ (Jes7,14),
was man als Zeichen dafür
sehen kann, dass die Jungfrau das himmlische Zeichen für die Messiasgeburt war.
Für Papke ist klar: Es handelt sich um eine Weissagung, also ein Ereignis, das
erst noch kommen soll. Die Geburt des Messias auf der Erde durch eine Jungfrau
wird durch ein Zeichen am Himmel im Sternbild Jungfrau angezeigt werden.
Diep:
Nun ist es relativ einfach nachzuprüfen, ob es an dem von Papke
angegebenen Ort, im Sternbild Erua und zu der angegebenen Zeit tatsächlich eine
Supernova gegeben hat oder nicht.
Es gibt Aufzeichnungen über einen schweiflosen Kometen im
Sternbild Steinbock durch chinesische
Beobachter für das Jahr 5 v. Chr., der identisch mit einem schweiflosen, von
Koreanern erfassten Kometen des Jahres 4 v. Chr. sein könnte. Dabei könnte es
sich um eine Supernova gehandelt haben, falls die Chinesen Recht haben, denn
sie weisen ausdrücklich darauf hin, dass es keinerlei Ortsveränderungen gegeben
habe. Auch, dass dieses Objekt 70 Tage lang zu sehen gewesen sein soll, würde
den Kandidaten für eine Ausdeutung des Matthäus-Berichts interessant machen.
Allerdings ist kein einziger Bericht aus dem gesamten Mittelmeerraum, dem
Gebiet der grössten Sternengläugibkeit, über diese Erscheinung überliefert und
dies lässt die Theorie der Supernova eigentlich platzen.
Auch verschwindet eine Supernova nach ihrem spektakulären
Aufleuchten nicht einfach aus dem Universum, sondern hinterlässt Relikte, die
mit den technischen Hilfsmitteln der modernen Astronomie über eine sehr lange
Zeit beobachtet werden können.
Ein typisches Überbleibsel einer
Supernova-Explosion ist zum Beispiel der Krebsnebel, der das Ergebnis
eines Supernovaausbruchs im Jahre 1054 ist.

Der Krebsnebel
Der berühmte Zirrus-Nebel im Schwan hingegen geht auf eine
Supernova zurück, die wahrscheinlich bereits vor 30 000 Jahren explodiert ist.
Während ein erheblicher Teil der Masse des explodierenden Sterns in die
kosmische Umgebung hinausgeschleudert wird, bleibt bei massereichen Sternen ein
kleines Gebilde mit extremen physikalischen Eigenschaften zurück: ein Pulsar.
Pulsare (Neutronensterne) sind Endstadien der Sternentwicklung und weisen nur
Durchmesser um 10 km bei Dichten von bis zu 1015 g/cm³ auf.
Am Ort des vermeintlichen Sterns von Bethlehem findet sich
allerdings auch bei großzügiger Auslegung der Koordinaten des mutmaßlichen
Standortes von Papkes Supernova kein Überrest. Es ist in höchstem Maße
unwahrscheinlich, dass ausgerechnet das Relikt einer nur 2 000 Jahre alten
Supernova übersehen worden wäre, lassen sich doch auch ältere und somit bedeutend
schwieriger nachweisbare Reste gut finden.
Also auch diese These, dass der Stern von Bethlehem eine Supernova
war, ist nicht mit den antiken Geschichtsquellen vereinbar, und damit so gut
wie auszuschließen.
Die bisherigen Überlegungen zum Stern von Bethlehem sind von einem
nüchternen naturwissenschaftlichen
Standpunkt aus angestellt. Um unsere Achtsterntheorie plausibel machen
zu können, müssen wir nun allerdings etwas weiter ausholen.
Maria:
Die römischen Gottkaiser und die Sternkonstellationen zum
Zeitpunkt ihrer Geburt
Wie die Sterne damals in
der vom allmächtigen Rom regierten Welt
das Schicksal der Menschen beeinflussten, wird viele verwundern, wenn
nicht gar erschrecken! Rom, das die Weltherrschaft innehatte, hatte die Kultur
der unterworfenen Völker aufgesogen und zu einer Weltanschauung entwickelt, in
der die Sterne in einer heute kaum mehr vorstellbaren Art und Weise das
Schicksal bestimmten und dies war berechenbar! Die Aufgabe der
Schicksalsberechnung übernahmen die Mathematiker, die nicht wie heute einfach Rechner waren, sondern die aus einer
tiefen Erkenntnis heraus rechneten und deuteten. Und es sind noch genügend
Geschichtsquellen vorhanden, um ein umfassendes Bild des römischen Sternenkults
zu erhalten.
Um 41v.Chr. bringt Vergil, der bedeutendste Dichter, den Rom
hervorgebracht hat, kurz nach der Ermordung von Julius Caesar, die Sehnsucht
der römischen Bürger nach Frieden und Wohlstand zum Ausdruck. In dem 4. Gedicht
seiner Gedichtesammlung „Eklogen“ kündet er für Rom einen messiasartigen
Menschen an. Er begründet diesen astrologisch: Wegen der Wiederkehr des
Planeten Saturn und wegen der Wiederkehr des Sternbildes der Jungfrau, sieht er die Ankunft eines jupitergleichen
Jünglings, der ein neues goldenes Zeitalter für Rom bringen wird. Den
Mathematikern erscheint wegen eines überragenden Horoskopes der Sohn Gallus
Asinius des derzeit regierenden Konsuls Pollio als der von Vergil Angekündigte.
Obwohl Gallus Asinius
vom mächtigsten Mann der Zeit, dem
ersten römischen Kaiser Augustus, immer bevorzugt behandelt wurde, gelingt
es dem so Hochgelobten nicht, auf dem
so viele Erwartungen liegen, römischer Kaiser
zu werden. Gallus Asinius Pollio
ist ein seltenes Beispiel dafür, dass ein offensichtlich großartiges, aber in
weiten Kreisen bekanntes Horoskop den Aufstieg in höchste Positionen sogar
behindern konnte.
Anstelle des Asinius Pollio wurde der Stiefsohn des Augustus Tiberius der Nachfolger von Augustus als
römischer Kaiser.


Augustus Tiberius
Tiberius besaß ein ausgezeichnetes Horoskop, das allerdings nicht
die überragende Qualität des Horoskopes
von Asinius Pollio hatte. Tiberius war
ein Kenner und Anhänger der Astrologie
und hatte den besten Astrologen der damaligen Zeit , den alexandrinischen
Gelehrten Trasyllus an sich gebunden und hoffähig gemacht. Dieser riet ihm noch
im Jahre 30, im 16. Jahr
seiner Regierungszeit, seinen früheren Konkurrenten Asinius Pollio
gefangen zu nehmen und verhungern zu lassen.
Ganz anders als bei Asinius
Pollio erfüllte sich die Prognose der Mathematiker bei Hadrian, dem nachmaligen
römischen Kaiser. Er besaß ein so großartiges Horoskop, dass es immer wieder
publiziert wurde. Obwohl er nicht mit Kaiser Trajan verwandt war, wurde er wohl hauptsächlich wegen seines Horoskops von
Trajan adoptiert und von
ihm als sein Nachfolger bestimmt.
Hadrians Geburtskonstellation vom 24.Januar 76 um 7 Uhr am Morgen
wurde mehr hervorgehoben als er selbst: "Dass er von allen Menschen
verehrt wurde und dass alle vor ihm
niederknieten, dass er aber wahrlich auch ein äußerst wohltätiger Mann war, hat
er Jupiter zu verdanken, der bei seiner
Geburt in Konjunktion mit dem Mond als
Begleiter der Sonne
aufging".

Hadrian Hadrians
Geburtskonstellation vom 24.Januar 76
Diep:
Auch Nero , der als einer
der wirklich Bösen der Weltgeschichte bezeichnet wird, besaß ein so
bemerkenswertes Horoskop, dass er zum römischen Kaiser geradezu prädestiniert
erschien. Allerdings wurde die an sich
phantastische Geburtskonstellation vom 15.Dezember 37- die Sonne im
Aszendenten, umringt und beschützt von Jupiter, Mars und Venus- durch den im
Quadrat dazu violent stehenden Saturn empfindlich gestört. Deshalb werde er
sein Kaiserreich verlieren, aber wegen der
im Widder liegenden Spitze des vierten Hauses, der sogenannten
Himmelstiefe, ein anderes Königreich
gewinnen: das Königreich von Judäa. Weil die Sonne in seinem Geburtshoroskop
direkt auf dem Aszendenten stand - er wurde am Morgen genau zum astronomischen
Aufgang der Sonne geboren - sah er, der römische Kaiser, sich selbst als den
Sonnengott. Die kolossale Statue des Sonnengottes Nero gab dem Kolosseum, dem römischen
Amphitheater, seinen Namen. All sein Handeln und Trachten stand unter diesem
Signum. Schließlich ließ er sich noch
vom armenischen König Tiridates, der mit einem sagenhaften Gefolge von
3ooo sogenannten Magiern im Jahre 66 nach Rom gezogen kam, in die Mysterien des
mythräischen Sonnenkultes einweihen, dessen Gott er selbst war. Vielleicht war
die Tiridates-Reise für die Magier
des erst 20 Jahre danach geschriebenen
Matthäus-Evangeliums das Vorbild.

Nero Neros Geburtskonstellation vom 15.Dezember 37
Nachdem sich im Jahre 64 ein
unheilverkündender Komet mehrere
Monate über Rom gezeigt hatte, versuchte Nero auf den Rat seines Astrologen
Balbillus hin, das für ihn so fatale Signum von sich abzuwenden, indem er einen
großen Teil der römischen Elite beseitigen ließ, darunter auch seinen Erzieher
und Lehrer, den bedeutenden stoischen Philosophen Seneca. Schließlich setzte
Nero, nachdem er von seinen vielen Feinden immer mehr in die Enge
getrieben worden war, seinem Leben im
Jahre 68 durch Selbstmord ein Ende, als er
wieder unter dem Einfluss seines
Mathematikers Balbillus einsehen musste, dass gerade der in seinem Horoskop
ungünstig gestellte Saturn ihm dies
nahe legte.
Der Mathematiker-Astrologe Balbillus hatte auch schon Kaiser
Claudius, dem Vorgänger Neros gedient
und sollte später noch den
Nachfolgern Vespasian, Titus und Domitian dienen. Er gehörte jenem berühmten adligen Geschlecht Alexandrias an,
das seit den Zeiten Alexanders des
Großen immer wieder
bedeutsame Gelehrte hervorgebracht hatte. Sein Vater Trasyllus,
der Augustus und Tiberius als Astrologe
gedient hatte, gehörte dazu, genau so wie
später seine Tochter Balbilla, die zum
astrologischen Gefolge Hadrians zählen sollte.
Man kann ohne Übertreibung sagen, dass diese Familie mit ihrem Einfluss auf die Mächtigen des römischen Reiches wie niemand
anderes das Schicksal des Reiches bestimmte. Sie waren Kaisermacher, wenn sie
nur wollten - mit ihren Prognosen
konnten sie aber auch vernichten, wie vor allem das Beispiel des Kaisers
Domitian zeigt.
Maria:
Sueton, der Geschichtsschreiber der römischen Kaiser, berichtet :"Seit langer Zeit hatte
Domitian sichere Kenntnis vom Jahr und Tag seines Todes, in der Tat sogar von
der Stunde und der Art und Weise seines Endes...Sogar sein Vater machte sich
einmal am Tisch über ihn lustig, als er sich weigerte, von bestimmten Pilzen zu
essen:" Kennt er das Schicksal, das auf ihn wartet, nicht viel besser?! Er
sollte sich vor Eisen fürchten und nicht vor Pilzen." Domitian sah sich von allen und jedem
bedroht, er ließ von jedem in seinem
Umkreis das Horoskop errechnen. Man
kann sich vorstellen, mit welcher Brutalität und Härte Domitian gegenüber
denjenigen vorgegangen ist, von denen seine Mathematiker ein herrschaftliches
Horoskop erstellt hatten. Je näher der vorbestimmte Termin rückte, desto
hysterischer versuchte der Kaiser seinem Schicksal zu entkommen. Die Umstände
seines Todes gleichen dem eines allerschlimmsten Gruselstücks.
Domitian
Der Todestermin war schon seit langem öffentlich bekannt. Die von
Domitians Ehefrau angeheuerten Mörder konnten sich als Vollstrecker des
kosmischen Planes sehen, als sie am 18.September 96 zur genau vorbestimmten
Stunde den mächtigsten Mann der damaligen Welt mit der vorbestimmten Waffe, dem
Schwert, töteten.
Wie man sieht, spielte die Astrologie für das römische Reich die
allergrößte Rolle. Wie war es möglich, dass eine heute nicht mehr ernst
genommene Lehre von dem Einfluss der Sterne auf das menschliche Schicksal das Weltbild der Alten so umfassend und
vollständig durchdrang?
Seit dem Erlass des Augustus im Jahre 11n.Chr. blieb es Unbefugten
untersagt, ein Horoskop für den Kaiser
oder dessen Angehörige zu erstellen oder in Umlauf zu bringen. Trotzdem
beschäftigten sich die führenden Kreise und Gebildeten mehr oder weniger
intensiv mit der gelehrten Sterndeutung.
Zwischen 16n.Chr. und 94n.Chr. kam es zu elf Ausweisungen von
Astrologen, um die Kontrolle über die deutende Zunft nicht aus der Hand zu
geben.
Die Erlasse waren allerdings zunächst immer nur gegen die
Astrologen und nicht gegen die Astrologie gerichtet. Auch im Edikt Diokletians
von 294, das in den Codex Justinianus eingeflossen ist, ist die Ausübung der
Astrologie gemeint :“Die Wissenschaft der Geometrie zu erlernen und auszuüben,
liegt im öffentlichen Interesse, die
Mathematik hingegen ist verdammenswert
und deshalb verboten.
Die Kaiser Valentinian und Valens verdammen schließlich die
Astrologie in den Edikten von 371 und 373. Es soll die Todesstrafe erleiden,
wer Astrologie lehrt oder lernt.
Allerdings sahen die Gelehrten der damaligen Zeit, deren
Gelehrtsein ja im Heidentum wurzelte, die Verbote als Wissensbeschränkung an
und dementsprechend verhielten sie sich auch und ließen sich nicht abbringen
weiterhin Astrologie zu betreiben.
Noch beim Konstanzer Konzil im Jahre 1414 hatte ein Kardinal, der
sich vor allem als Astrologe hervorgetan hatte, eine leitende Stellung. Pierre
d’Ailly, der nach langer Vergessenheit,
im 19.Jahrhundert wegen seiner Vorhersage der französischen Revolution
im Jahr 1789 wieder berühmt wurde , verteidigte
vor den Kirchenfürsten aus aller Welt den Vorrang der Päpste über die
Konzilien.
Diep:
Was also machte die Astrologie, die Mathematik der Alten, zu einem
für die Gelehrten einzigartigen Faszinosum?
Die Astrologie um die
Zeitenwende geht in der abgemilderten Sichtweise der von Rom unabhängigen hellenistischen
Philosophen von einer Harmonie des Kosmos aus, in der alle irdischen Ereignisse
bereits im voraus von den Sternen angezeigt werden. Wohl können die Forscher aus zuverlässigen
Beobachtungen des Himmels zukünftige Geschehnisse erkennen, die aber in letzter Konsequenz nicht
schicksalhaft notwendig eintreten müssen.
Der jüdische Philosoph Philo war ein Vertreter dieser Sichtweise.
Er stammte wie das Astrologen-Geschlecht der Balbilli aus Alexandria und war
ihr Zeitgenosse. Zu der berühmten Bibelstelle
Genesis 1,14-19, die als eigentliche Begründung der Astrologie gilt,
führt er aus, dass Sonne, Mond und die Planeten nicht allein zur Anzeige von
Tag und Nacht eingesetzt seien, sondern als Zeichen, die das Zukünftige
ankündigen. Damit meint er nicht nur, dass landwirtschaftliche Prognosen
möglich sind, sondern dass irdische Ereignisse im allgemeinen durch die
himmlischen Phänomene angezeigt werden. Nach ihm repräsentieren die Planeten
die vollkommene Schöpfungsordnung, die von Gott als dem Lenker der Welt in den
Kosmos eingegeben wurde.
Die römische
Astrologenschar und der römische Adel
begnügten sich nicht mit dieser vornehmen Sichtweise. Für sie war alles bis auf
das kleinste in den Sternen vorherbestimmt und für sie war der Kosmos wie ein
spannendes Buch, das man nur richtig zu lesen brauchte, um alles über das
zukünftige Schicksal zu wissen.
Die Hofastrologen kündeten Vespasian schon lange vor seinem
Aufstieg zum Kaiser seinen unglaublich erfolgreichen Werdegang an und waren
sich auch sicher, dass seine Söhne ihm ähnlich erfolgreich nachfolgen würden.
Da nicht all zu lange nach dem von den Astrologen gegebenen himmlischen
Versprechen sein Aufstieg zum Kaiser auf selbstverständlichste Art erfolgte,
stieg sein Vertrauen und das seiner
Familie zu den Astrologen ins Unermessliche.
Gegen seinen Sohn Titus
war eine Verschwörung geplant, so steht es bei dem römischen
Geschichtsschreiber Cassius Dio : Zwei Patrizier wurden überführt. Aber Titus
ermahnte sie lediglich , von ihrem Plan Abstand zu nehmen, denn der Thron würde
vom Schicksal zugeteilt werden. Er schaute sich auch ihre Horoskope an und stellte fest, dass die beiden in großer
Gefahr schwebten- in späterer Zeit, aber nicht durch ihn, was dann auch tatsächlich
eintrat.

Vespasian Titus
Maria:
Die Achtsterntheorie
Um endlich auf den Stern von Bethlehem eben in dieser
rigorosen astrologischen
Sichtweise zurückzukommen, muss gesagt
werden, dass Herodes und seine Berater erstklassige Kenner und Anhänger der
Sternenkunde in all ihren Schattierungen waren. Ihm waren die Prophezeiungen, die Vergil in seinen
Eklogen wiedergibt, von einem neuen goldenen Zeitalter unter der Ägide des Saturn, des Sternes der Juden, in all ihren möglichen Realisierungen
genauestens bekannt.
Der eigentliche Gott der Astrologen und der Wahrsagerei war der
Pythische Apollon, der seinen Haupttempel in Delphi hatte. Herodes ließ bereits um 40v.Chr., und dies ist
erstaunlich für den König der Juden,
den Wiederaufbau des Tempels des Pythischen Apollons auf Rhodos finanzieren. Auf jüdischem
Territorium ließ er in Sebaste unweit von Cesarea zusätzlich einen
Apollontempel errichten. Außerdem bedachte er immer wieder die Astrologeninsel
Rhodos mit großzügigen Schenkungen, worin seine enge Verbundenheit mit der wissenschaftlichen
Sterndeutung zum Ausdruck kommt.
Herodes war außerdem freundschaftlich verbunden mit Kaiser
Augustus, dann mit Agrippa, dem Erbauer des Pantheons in Rom, und auch mit der Familie des Pollio. Ja, er
hoffte wohl an dem von Vergil prophezeiten Aufstieg der Familie Pollio
teilhaben zu können.
Untersucht man die Planetentafeln für die in Frage kommende Zeit
nach dem Stern von Bethlehem, also zwischen 7v.Chr. und 4v.Chr., dem
mutmaßlichen Todestermin des Herodes, so gibt es eigentlich nur eine einzige
Konstellation, die wie später bei Hadrian die Proskynese, den Kniefall vor dem
Horoskopträger, verständlich machen könnte. Es ist der Morgen des 17.April
6v.Chr., direkt bei Sonnenaufgang.
Wie in Hadrians Horoskop steht die Sonne im Aszendenten. Sie wird
flankiert auf der einen Seite von Venus, Saturn, Mond und Jupiter, auf der
anderen Seite von Mars und Merkur. Ein wahrlich kaiserliches Horoskop.
Allerdings hätten die Magier Herodes mit dieser Konstellation sicher nicht
überraschen können. Aber vielleicht hat er sich gegenüber den Magiern einfach
verstellt! Immerhin bietet das Horoskop vom 17. April interessante Ansätze:
Jupiter im Widder, von den beiden Lichtern Sonne und Mond umgeben,
nicht weit entfernt vom Saturn in den
Fischen, kann auf die Geburt eines Königs für Judäa schließen lassen.
ABER die Konstellation des 17.Aprils 6v.Chr. ist lediglich die Konstellation für eine weltliche Größe
und nicht für eine göttliche Person, wie sie
den Magiern vorgeschwebt war,

Horoskop vom 17.April 6 v.Chr
denn sonst hätten sie den
Weg von weit über 800km, für den sie mindestens 4 Wochen benötigten,
nicht auf sich genommen.
Aber vielleicht war doch alles ganz anders, als man sich das nach
den bisherigen Ausführungen vorstellen mag.
Was sagt die frühchristliche und mittelalterliche Kunst zum Stern
von Bethlehem?
Man sieht auf den Fresken, den Mosaiken, den Elfenbeinbildwerken,
den Holzbildwerken fast immer einen achtstrahligen Stern über Bethlehem stehen,
der sicherlich mit der Prophezeiung in 4 Moses 24,13 in Verbindung zu sehen
ist, dass ein Stern in Jakob aufgehen
und den Messias ankündigen soll.
An dieser Stelle kam im Vortrag eine Bildpräsentation mit
Musikuntermalung - hier einige Bilder:
Achtsterndarstellung von einem Gewölbe des Chora-Klosters in
Istambul, um 1320 entstanden

Die heiligen drei Könige und der Stern von Bethlehem, San
Appolinare Nuovo in Ravenna, um 520 entstanden

Der Achstern-Klipeus auf dem Apsisbogen von San Vitale in Ravenna,
um 550 entstanden

Die heiligen drei Könige vor Herodes, Santa Maria Maggiore in Rom,
um 440 entstaneden
Diep:
Lässt sich die Achtstrahligkeit des Sternes in einer
Planetenkonstellation für jene Zeit, also zwischen 7 und 4v.Chr., irgendwie
nachweisen?

Unter einem Achtstern versteht man eine aus 8 Linien in einem Zug
gezeichnete regelmäßige geometrische Figur, die 8 spitz zulaufende Ecken
besitzt und wie ein Stern aussieht.
Und am 5. September 5v.Chr. ließ sich ein ziemlich regelmäßiger
Achtstern in den Tierkreis einzeichnen, wobei sechs der acht Ecken
mit Sonne, Mond, Saturn und Jupiter, Venus und Mars belegt waren. Die
beiden verbleibenden Ecken waren gemäß den Regeln der antiken Astrologie mit Aszendent
und Glückspunkt besetzt.
Nirgendwo in der antiken und mittelalterlichen Literatur ist eine
derartige Konstellation bisher zu
belegen. Daraus lässt sich schließen, dass die Achtsternkonstellation wenn
überhaupt nur ganz wenigen Astrologen der damaligen Zeit bekannt war. Und
deshalb könnte Herodes von den
Mitteilungen der Magier durchaus überrascht worden sein.
Da die Magier weder des Griechischen oder des Lateinischen noch
des Hebräischen mächtig waren, werden sie sich ohne Dolmetscher auf Aramäisch mit Herodes unterhalten haben, einer Sprache, die im Nahen Osten zu jener Zeit so
verbreitet war wie das Englisch heute in der ganzen Welt. Allerdings werden
Missverständnisse nicht ganz auszuschließen gewesen sein. Sie könnten dann
etwa auf diese Art den Herodes
informiert haben: “Unsere Aufgabe in Babylon ist es Planetentafeln für die
Zukunft zu erstellen. Vor zwei Jahren fiel uns bei dieser Arbeit eine äußerst
merkwürdige Planetenkonstellation für
den heutigen Tag, den 5. September 5v.Chr. auf, die auf ein göttliches Kind
schließen lässt.

Achtsternkonstellation vom 5.September 5 v. Chr.
Der Leitstern dieser Konstellation ist Spica, der hellste Stern im
Sternbild der Jungfrau und einer der hellsten
Fixsterne überhaupt. Spica, der Weizenährenstern, steht beim
Sonnenuntergang sichtbar gerade zwischen Sonne und Mond, er ist sozusagen unter
den Schutz der beiden Lichter gestellt. Und genau dieses Stellung zwischen
Sonne und Mond hatte die Spica auch vor fast zwei Jahren beim Sonnenaufgang am
20.Oktober 7v.Chr.

Achtsternkonstellation vom 20. Oktober 7 n.Chr.
Und diese Stellung der Spica wird heute Abend bei Sonnenuntergang
wieder zu sehen sein. Gleichzeitig
werden Sonne, Mond sowie Saturn, Jupiter, Mars und Venus auf sechs Ecken
eines nahezu regelmäßigen Achteckes stehen, das in den Tierkreis einbeschrieben
ist. Und auf den beiden restlichen Ecken befinden sich Aszendent und
Glückspunkt. Uns ist bisher noch nie
eine Planetenkonstellation von solch großer Regelmäßigkeit aufgefallen.
Die Sonne in der Mitte des ersten Dekans der Jungfrau macht das
dort sich befindende Bild einer Jungfrau, die auf einem Thron sitzt und einem
Kind zu essen gibt, zur irdischen Realität. Schließlich weist Saturn im Widder
auf Judäa hin. Deshalb sind wir hierher zu dir gekommen.“
Vielleicht dachte Herodes sofort an die Prophezeiung Vergils, die
vor 36 Jahren ein neues goldenes
Zeitalter ankündigte, das im Zeichen Saturns und der Wiederkehr der Jungfrau
stand. Das Bild der Jungfrau und ihres göttlichen Kindes hatte sich schon einmal
vor langer Zeit in der Göttin Isis und ihrem göttlichen Sohn Horus realisiert.
Allerdings sollte dieses goldene Zeitalter offensichtlich ohne ihn stattfinden.
Dagegen hatte er etwas. Deshalb tötete er die unschuldigen Kinder von Bethlehem
- was soviel wie die Stadt des Brotes
heißt, auf das der Weizenstern Spica den entscheidenden Hinweis gegeben hatte.
Maria:
Nun kommen wir noch einmal zu den astronomischen Formulierungen im
Matthäus-Evangelium, die durchaus in unsere Theorie passen.
Als die Magier nach
antiker Gepflogenheit bei Tag, wohl am
späten Nachmittag, von Jerusalem nach Bethlehem zogen, erkannten sie den
Weizenährenstern wieder, von der untergehenden Sonne und dem Mond im ersten Viertel eingerahmt, so wie
sie ihn bereits vor zwei Jahren im Aufgang gesehen hatten. Der Stern Spica ging
vor ihnen her. Gemeint ist damit, wenn man die antike astronomische Fachsprache
richtig interpretiert, dass der Stern entweder ein Fixstern war- also etwa die
Spica, so wie wir es sehen - der sich fixiert am Himmelsgewölbe von Osten nach
Westen bewegte oder doch ein Planet
sein konnte, der nicht in seiner
normalen Bewegung, also gegen das Himmelsgewölbe voranschritt, sondern sich gegenläufig,
also sich in dieselbe Richtung wie das Himmelsgewölbe bewegte. Vom letzteren
gehen wir nicht aus.
Als sie vor sich Bethlehem sahen, blieb der Stern direkt über dem
Ort der Geburt stehen. Dies weist auf einen Planetenstillstand hin oder darauf,
dass der in Frage kommende Fixstern, also die Spica, sich gerade am Horizont, vor ihrem fast
senkrechten Untergang befand, also der Sonne in ihrem Untergang nachfolgte. Der
berühmteste Astronom der Antike,
Claudius Ptolemäus von Alexandria, bezeichnet diese Position der Spica als
ihren Spät-Weststand. Daraus wurde dann, dass die Spica zum Stehen kam, so wie es im Evangelium beschrieben wurde.
Diep:
Zuletzt abschließend: Der Termin 5.September 5v.Chr. erscheint uns
ziemlich plausibel zumal er auch noch zwischen zwei auffallenden astronomischen
Ereignissen liegt.
1) Am 23.März 5 v. Chr. gab es eine totale Mondfinsternis.
2) Am 15. September 5v.Chr. gab es wiederum eine totale
Mondfinsternis. Neben den beiden genannten totalen Mondfinsternissen gab es im
ganzen Jahrzehnt nur noch eine weitere
am 10.Januar 1v.Chr.
Zur Geburt am 5.September 5v.Chr. passt auch die mit dem zweiten Achtstern am 23.
August 28 in Verbindung gebrachte Taufe
Christi und sein Tod durch Kreuzigung am 7.April 30. Dann wäre Christus nach
unserer Chronologie, und so wurde es auch von Eusebius im 4.Jahrhundert angegeben, gerade 33 und ein halbes Jahr alt geworden.

Achtsternkonstellation vom 23. August 28 bei der Taufe Christi
Wenn der 5.September der Tag der Geburt Christi wäre, dann wäre
der Termin 6.Januar, an dem bis ins 4.Jahrhundert der Geburtstag Christi
gefeiert wurde und der genau 8 Monate vor dem 5. September liegt, der Tag der
Empfängnis Christi. Man beachte, dass die Acht diejenige Zahl ist, die immer schon mit Christus in
Verbindung gebracht wurde.
Zur Zeit des Kaisers Augustus, der am 23. September 63v.Chr.
geboren war, ließ man neben seinem Geburtstag auch seine Empfängnis am 25.
Dezember feiern. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, wenn damals häufig der Zeitpunkt der Empfängnis
als der eigentliche Zeitpunkt der Geburt angesehen wurde. Konstantin der Große
verlegte wohl im Bewusstsein der Empfängnisfeier des vergöttlichten
Augustus den Geburtstag Christi oder
besser die Empfängnis auf den 25. Dezember. Und auch dies passt:
Acht Monate später, also am 23.August, war nach unseren
Berechnungen gerade der Termin der
Taufe Christi und dies ist für das
Konstantinische Zeitalter, als der christliche Glaube zur Staatsreligion wurde,
als sich täglich Hunderte taufen ließen, wahrlich vom christlich-philosophischen
Standpunkt der eigentliche Termin der Geburt Christi.
Und nun zu allerletzt: Für die Geburt Christi am 5.September, als
den Termin, an dem Maria Christus gebar, spricht vom mathematischen
Standpunkt die symmetrische Verbindung
mit dem Kreuzigungstermin Christi, dem 7.April! Der 5. September ist im
Schaltjahr 5 v. Chr. zeitlich gesehen gleich weit vom Herbstanfang, dem
22.September, entfernt wie der 7.April im Gemeinjahr 30 n. Chr. vom
Frühlingsbeginn, dem 21.März, jeweils 18 Tage.
Maria:
Unser Fazit
Der Weizenährenstern Spica ist der Stern der Stadt des Brotes, der Stern von Bethlehem. Vielleicht
aber auch nicht.
Und noch ganz kurz! Es gibt auch Meinungen, die besagen, der Stern
sei ein Wunder Gottes gewesen- am Himmel erschienen und verschwunden, ohne jegliches Zeichen zu hinterlassen, auch sind
viele Theologen der Ansicht, dass es sich beim Stern von Bethlehem einfach um
ein Symbol handelt.
Wir sind uns bewusst, dass wir nichts Endgültiges zum Stern von
Bethlehem sagen konnten. Jeder möge selbst entscheiden!
Damit wären wir am Ende unserer Ausführungen angelangt. Wir
bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit und bitten Sie nun ihre Fragen zustellen.