, "Stern von Bethlehem" – Seminarvortrag von Maria Schwarz und Diep Tran

"Stern von Bethlehem" – Seminarvortrag von Maria Schwarz und Diep Tran

 

Maria:

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrter Herr Kerssens,

 

wir begrüßen Sie herzlich hier in der Volksbank Kirchheim/ Teck und freuen uns, dass Sie sich heute so zahlreich hier eingefunden haben, um etwas über den Stern von Bethlehem zu erfahren. Besonders freut uns Ihr Interesse, da Weihnachten und somit auch die aktuelle Thematik des Sterns von Bethlehem  nun schon wieder etwas zurück liegt.

 

Wir möchten es auch nicht versäumen der Volksbank und insbesondere Ihnen, Herr Kerssens, für die Bereitstellung Ihrer Räumlichkeiten zu danken, um unsere Ausstellung der Öffentlichkeit zeigen zu können. Vor allem aber gilt unser Dank dafür, dass wir heute unseren Vortrag in einem solch schönen Saal halten dürfen.

 

Mein Name ist Maria Schwarz und das ist Diep Tran und wir besuchen beide die 13. Klasse des Ludwig-Uhland-Gymnasiums in Kirchheim/Teck. Letztes Schuljahr, also 2002 / 2003, haben wir an dem von unseren Lehrern Susanne Staiger und Martin Kieß geleiteten Seminarkurs teilgenommen, der eine Fortsetzung zu den früheren Seminarkursen  darstellte und sich mit dem Thema „Mittelalterliche Achteckbauten“  beschäftigte. Obwohl unser Seminarkurs nun schon über ein halbes Jahr zu Ende ist und die Zeugnisse längst gemacht sind, geht die Arbeit unter den Fittichen von Herrn Kieß ständig weiter und bis heute werden die Seminararbeiten beinahe täglich verbessert und erweitert. Nun stellt sich jedoch die Frage, wie man von profanen Achteckbauten plötzlich auf den hochheiligen Stern von Bethlehem kommen kann.

Der Seminarkurs 2001/2002, also unser Vorgängerkurs, setzte sich in erster Linie mit der Geschichte und Architektur von Castel del Monte in Apulien auseinander. Schon seit über 100 Jahren versuchen Forscher das Rätsel  der Achteckform des Gebäudes zu entschlüsseln, ohne auch nur ansatzweise dafür eine befriedigende Erklärung zu finden. Der Seminarkurs 2001/02 knackte das Rätsel der Achteckform, indem er den Schlüssel in Gestalt eines fast regelmäßigen himmlischen Achtecks fand, das von den Planeten am 47. Geburtstag des Kaisers Friedrichs II.,  der bekanntlich Castel del Monte erbauen ließ, gebildet wurde. Bei der Suche nach weiteren himmlischen Achtecken, auch Achtsterne genannt, fand Martin Kieß einen Achtstern, der in die Zeit der möglichen Geburt Christi fällt. Und so entstand unser Thema, bei dem es im Wesentlichen um verschiedene astronomische Theorien zum Stern von Bethlehem geht, vor allem aber um unsere eigene.

 

Diep:

Zunächst möchten wir Ihnen einen kurzen Überblick über unseren Vortrag geben und Sie bereits darauf hinweisen, dass es zwar leicht verständliche Passagen geben wird, aber auch Teile, die ohne Vorwissen etwas schwerer nachvollziehbar sind, da sie auf Astronomie und Astrologie aufbauen. Aber Sie können ja am Ende unserer Ausführungen Fragen stellen, und unser Vortrag wird auch ins Internet gestellt.

Zuerst möchten wir die wesentlichen Passagen des Matthäus-Evangeliums vortragen, die die Grundlage aller Überlegungen zum Stern von Bethlehem bilden.

Die Vorstellung der bisher bekannten Theorien stellt den nächsten Teil dar - hier folgen wir z.T. Dieter B. Herrmanns 'Stern von Bethlehem' -  Berlin 1998.

Danach werden wir Horoskope römischer Kaiser, wie die von Hadrian und Nero analysieren und aufzeigen, was sie aus dem Blickwinkel astrologiegläubiger Römer zu Kaiserhoroskopen machten und fragen dann, ob die Magier wegen solch eines zunächst unbekannten Horoskophalters den weiten Weg von Babylon nach Bethlehem auf sich genommen hätten. Die Darstellungen in der mittelalterlichen Kunst lassen anderes vermuten. Eine kleine musikalische Reise durch die mittelalterliche Bilderwelt soll Ihnen dies verdeutlichen, ehe wir Ihnen die von unserem Seminarkurs erarbeitete Theorie, die Achtsterntheorie, vorstellen dürfen, die unter dem Motto steht: „Der Weizenährenstern Spica ist der Stern der Stadt des Brotes, der Stern von Bethlehem."

 

Beginnen wir nun also mit dem Evangeliumstext nach Matthäus, der im letzten Fünftel des ersten Jahrhunderts nach Christus wohl in Antiochia im nördlichen Syrien in griechischer Sprache geschrieben wurde und hier in der deutschen Einheitsübersetzung wiedergegeben wird.

 

Maria:

„Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. Sie antworteten ihm:

In Bethlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Bethlehem im Gebiet von Juda / bist keineswegs die unbedeutendste / unter den führenden Städten von Juda; / denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, / der Hirt meines Volkes Israel.

Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Bethlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige. Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.“

 

Diep:

Dieser Bibeltext kann jedoch nicht als eindeutige, geschichtliche Grundlage dienen, da allein in der deutschen Übersetzung vier bekannte Fassungen vorliegen und viele Stellen des griechischen Urtextes nicht wörtlich, sondern astronomisch bzw. astrologisch gedeutet werden müssen. Darauf werden wir bei der Darlegung unserer eigenen Theorie noch einmal zurückkommen.

 

 

 

 

 

 

Maria:

Die Kometentheorie

 

Ein Komet

 

Im 3.Jahrhundert n. Chr. nahm der aus Alexandria stammende christliche Gelehrte Origenes an, dass der Stern von Bethlehem ein Komet gewesen sei - nachdem er den Halley'schen Kometen am Himmel des Jahres 218 n. Chr. hatte bewundern können.

Auch im Jahre 1301 hatte der italienische Maler Giotto das Glück den Halley'sche Komet bei seiner Erdannäherung am Himmel  strahlen zu sehen.

Dieses außergewöhnliche Schauspiel hat ihn so beeindruckt, dass er es in seinem bekannten Fresko "Die Anbetung der Könige" verarbeitete. Der Komet erscheint dort als Weihnachtsstern.  Auch viele spätere Künstler haben den Stern von Bethlehem ebenfalls in Gestalt eines Kometen dargestellt.

Das Wort Komet kommt aus dem griechischen und bedeutet "behaart", was sich auf die Form des Schweifes zurückführen lässt, den der Komet hinter sich herzieht.. Kometen sind kilometergroße Klumpen aus Eis und Staub. Bei der Annäherung an die Sonne beginnt ein Teil des Eises zu verdampfen. Mit ihm werden auch Gas und Staubteilchen freigesetzt und eine riesige Wolke, die so genannte Koma, entsteht um den Kometenkern herum. Die Koma ist oft zehntausend Mal größer als der Kern. Die Gas- und Staubteilchen in der Koma reflektieren das Sonnenlicht und der Komet wird für uns sichtbar.

Ein Teil der verdampften Materie bleibt auf der Flugbahn zurück. Dieser Schweif wird auch vom Sonnenlicht reflektiert. Er kann einige Millionen Kilometer lang werden, denn je mehr der Komet sich der Sonne nähert, desto mehr Eis und Staub verdampfen und desto länger ist der Schweif des Kometen. Die Sonne bläst zusätzlich durch den so genannten Strahlungsdruck Staub von der Koma weg. Bildlich gesprochen: Das Licht bombardiert die Staubteilchen und schubst sie aus der Bahn des Kometen. Da sich die Bahnbewegung des Staubs und seine Bewegung durch den Strahlungsdruck überlagern, ist der Staubschweif oft leicht gekrümmt.

 

Diep:

In dem möglichen Zeitraum gibt es nur von einem einzigen Kometen Aufzeichnungen. Chinesische Hofastronomen beobachteten im Jahr 5 v. Chr. einen auffälligen Kometen, der  etwa 70 Tage im Steinbock sichtbar war.

Der britische Professor Colin Humphrey ist der bekannteste Vertreter der Kometentheorie, die er seit der Veröffentlichung seines Buches im Jahre 1979 trotz massiver Kritik eisern vertritt.. Nach ihm kündigte die Große Konjunktion von Jupiter und Saturn in den Fischen im Jahr 7 v. Chr. nach astrologischem Glauben die bevorstehende Geburt Jesu an. Später gesellte sich der Komet von 5 v. Chr. hinzu, der von chinesischen Astronomen registriert wurde und der den Erdenbewohnern signalisieren sollte, dass die Geburt unmittelbar bevorsteht.

 

Ein Problem dieser Theorie ist aber, dass die Deutung  von Kometen als schlechtes Omen oder als Zeichen für eine bevorstehende Strafe Gottes für das sündige Leben der Menschen weitaus verbreitet war. Im Jahr 1066 n. Chr. hatte der Halley'sche Komet einen großen Auftritt. Er tauchte im Frühjahr auf - zu einer Zeit der politischen Instabilität. Harold der Zweite hatte in England den Thron bestiegen. In der Schlacht von Hastings fiel Harold und die Menschen sahen sich in der Deutung des Kometen als Unheilsbringer bestätigt.

Ein weiteres Beispiel für einen unheilbringenden Kometen, war der sehr helle Komet des Jahres 44 v. Chr., der über viele Wochen jede Nacht in Rom sichtbar war und den Mord an Julius Cäsar signalisierte. Auf einen dritten Kometen werden wir im Zusammenhang mit dem römischen Kaiser Nero noch kommen.

Gegen die Kometentheorie spricht auch, dass die Erscheinung des Weihnachtssterns wahrscheinlich nicht allzu spektakulär war. Ansonsten hätte Herodes sich nicht heimlich bei den Magiern erkundigen müssen, wann der Stern erschienen sei. Er oder seine Ratgeber hätten ihn selbst beobachten können. Ein Komet kommt deshalb als Stern von Bethlehem nicht in Frage.

 

 

Maria:

Die große Konjunktion

 

Die Konjunktion

 

Nun möchten wir Ihnen die wohl bekannteste Theorie vorstellen, die auch von den meisten Planetarien vertreten  und auf ihren Kuppeln eindrucksvoll vorgeführt wird. Johannes Kepler beobachtete Anfang des 17. Jahrhunderts drei Konjunktionen von Jupiter und Saturn innerhalb weniger Monate. Dabei kommen sich diese Planeten scheinbar sehr nahe, auch wenn sie in Wirklichkeit sehr weit auseinanderliegen, da sie sich mit unterschiedlichen Abständen um die Sonne bewegen. Von der Erde aus gesehen, könnte man jedoch meinen, dass sich die Planeten bis auf einen sehr geringen Abstand aufeinander zu bewegen. Kurz nach der von ihm beobachteten Dreifachkonjunktion konnte Kepler eine Supernova, das heißt einen sogenannten neuen Stern, am Himmel registrieren, was er für eine Folge dieser Konjunktion hielt, und als großer Forscher suchte er den Zusammenhang zwischen der Dreifachkonjunktion und der nachfolgenden Supernova aufzudecken. Zu diesem Zweck bestimmte er die Termine in der Menschheitsgeschichte, an denen Dreifachkonjunktionen aufgefallen waren. Kepler berechnete eine solche dreifache Konjunktion für den 27.März, den 6.Oktober und den 1.Dezember im Jahre 7 v. Chr. und zwar jeweils im Sternbild der Fische.

Allerdings fand er für die folgende Zeit keine Supernova. Kepler war überzeugt, das die Dreifachkonjunktion das Vorzeichen der Geburt Christi war, die dann schließlich mit der von ihm und auch den modernen Forschern nicht nachzuweisenden Supernova vonstatten gehen sollte. Heute ist Konradin Ferrari d’Ochieppo der  wichtigste Vertreter einer etwas modifizierten Theorie, die nur noch auf die Dreifachkonjunktion setzt. Seine Theorie ist jetzt kurz darzulegen: 

Für die Astronomen zur  Zeit  Christi war nicht nur die Berechnung, sondern bevorzugt die Deutung dieses stellaren Großereignisses von Wichtigkeit. Die Planeten waren für sie keine Himmelskörper, sondern die Götter selbst: Für Babylon entsprach alles, was sich am Himmel abspielte, Ereignissen auf der Erde.

Jupiter stand für den höchsten babylonischen Gott Marduk, er war „Der Königsstern“ schlechthin. Saturn entsprach dem Gott Kajawanu, einem Wandelstern, der mit dem König in Israel in Verbindung gebracht wurde, und stand  im Sternbild der Fische, dem himmlischen Entsprechungsort des Landes Israel. Für die babylonischen Astronomen war also klar: jetzt ist in Palästina ein neuer König geboren und Babylons König sollte hingehen, um diesem neuen König zu huldigen. Die Assoziation zu einem König der Juden war also nahe liegend.

Diese Planetenstellung könnte eventuell durch das Zodiakallicht (von gr. Zodiakos = Tierkreis) ergänzt worden sein. Diese Leuchterscheinung ist besonders in Äquatornähe vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang zu sehen. Es handelt sich hier um eine dreieckige Erscheinung, die durch Reflektion entsteht. Die Magier könnten die Konjunktion über dem Haus mit dem kegelförmig darauf scheinenden Zodiakallicht gesehen haben.

 

Diep:

Für diese Theorie spricht, dass im Jahre 126 v. Chr. eine Begegnung von Saturn und Jupiter einen jüdischen König hervorgebracht hatte, der es zu einem ansehnlichen Königreich bringen sollte.

Jedoch spricht gegen diese Theorie, dass im Evangelium von einem Stern die Rede ist.

Selbst zum Zeitpunkt der größten Annäherung von Jupiter und Saturn, in der sie den selben Längengrad einnahmen, wichen sie in bezug auf ihren senkrechten Abstand vom Tierkreis immer noch etwa 1° von einander ab - dies ist mehr als ein Monddurchmesser. Von einem Stern kann also gar keine Rede sein.

Der Religionswissenschaftler Werner Papke verweist darauf, dass Jupiter seit den Tagen des alten Babylon als das himmlische Abbild des babylonischen Königs Marduk angesehen wurde. Babylonische Sternkundige wie die Magier würden deshalb niemals auf die Idee kommen, den Planeten Jupiter mit einem fremden König in Verbindung zu bringen.

Mit dem Sternbild Fische steht es auch nicht viel besser. Die astrologische Deutung der Fische als Zeichen des Volkes Israel kommt nach Papke erst im späten Mittelalter vor. Eine klassische Quelle oder einen Keilschrift-Text, worin es mit Palästina oder dem Land der Juden identifiziert wird, gibt es nach seiner Bekundung nicht, vielmehr stand das Sternbild Widder für Palästina.

Diese Theorie ist also nicht mit den Prinzipien und der Praxis der antiken Astrologie zu vereinbaren.

 

 

Maria:

Die Supernovatheorie

 

Als letzte der bekannten Theorien möchten wir Ihnen die Supernovatheorie nach Werner Papke vorstellen. Nach ihm soll eine Supernova am 30. August 2 v.Chr., die   Geburt des Messias angekündigt haben.

Eine Supernova ist ein schwerer Stern, der sein Leben aushaucht. Er endet in einer Explosion, bei der er gewaltige Mengen an Materie und Energie ins All schleudert. Im Moment der Explosion leuchtet eine Supernova so hell wie alle anderen Sterne ihrer Galaxie zusammen, also heller als mehrere Milliarden gewöhnlicher Sterne. Ein ferner Fixstern, der plötzlich einen Supernova-Ausbruch erleidet, musste Kepler und seinen Zeitgenossen wie ein neugeborener Stern erscheinen (da weder die eigentliche Natur der Sterne noch ihre Entfernung bekannt waren). Wegen der großen Entfernung war von dem Stern vor dem Ausbruch überhaupt nichts zu sehen.

Der plötzliche Helligkeitsausbruch auf das bis zu 100millionenfache des Ausgangswertes führt dann zu dem Eindruck, dort sei ein Stern geboren worden, woraus sich auch der Terminus „Nova“ (stella nova - neuer Stern) ableitet.

 

Werner Papke meint, dass eine Nova oder Supernova „als einzige wissenschaftlich vertretbare Möglichkeit“ übrig bleibe, nachdem er alle anderen Thesen ausschließen könne. Papke ist überzeugt, „dass es seit Jahrtausenden bereits eine und nur eine ausgezeichnete Stelle am Himmel gab, an der ein neuer Stern erscheinen musste, damit er als Stern des Messias erkannt wurde“. Um die Stelle der Supernova zu bestimmen benützt der Autor den alten babylonischen Sternhimmel im 3.Jahrtausend v. Chr., wo hinter dem Sternbild Löwe das Bild einer Jungfrau stand. Bei den Chaldäern wurde sie als Erua bezeichnet, was übersetzt: „Diejenige, welche den in Eden verheißenen Samen gebären wird“, bedeutet.

 

Bereits beim Propheten Jesaja heißt es:

„Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, / einen Sohn wird sie gebären, / und man wird ihm den Namen Immanuel gegeben“ (Jes7,14),

 was man als Zeichen dafür sehen kann, dass die Jungfrau das himmlische Zeichen für die Messiasgeburt war. Für Papke ist klar: Es handelt sich um eine Weissagung, also ein Ereignis, das erst noch kommen soll. Die Geburt des Messias auf der Erde durch eine Jungfrau wird durch ein Zeichen am Himmel im Sternbild Jungfrau angezeigt werden.

 

Diep:

Nun ist es relativ einfach nachzuprüfen, ob es an dem von Papke angegebenen Ort, im Sternbild Erua und zu der angegebenen Zeit tatsächlich eine Supernova gegeben hat oder nicht.

Es gibt Aufzeichnungen über einen schweiflosen Kometen im Sternbild Steinbock  durch chinesische Beobachter für das Jahr 5 v. Chr., der identisch mit einem schweiflosen, von Koreanern erfassten Kometen des Jahres 4 v. Chr. sein könnte. Dabei könnte es sich um eine Supernova gehandelt haben, falls die Chinesen Recht haben, denn sie weisen ausdrücklich darauf hin, dass es keinerlei Ortsveränderungen gegeben habe. Auch, dass dieses Objekt 70 Tage lang zu sehen gewesen sein soll, würde den Kandidaten für eine Ausdeutung des Matthäus-Berichts interessant machen. Allerdings ist kein einziger Bericht aus dem gesamten Mittelmeerraum, dem Gebiet der grössten Sternengläugibkeit, über diese Erscheinung überliefert und dies lässt die Theorie der Supernova eigentlich platzen.

 

Auch verschwindet eine Supernova nach ihrem spektakulären Aufleuchten nicht einfach aus dem Universum, sondern hinterlässt Relikte, die mit den technischen Hilfsmitteln der modernen Astronomie über eine sehr lange Zeit beobachtet werden können.

Ein typisches Überbleibsel einer  Supernova-Explosion ist zum Beispiel der Krebsnebel, der das Ergebnis eines Supernovaausbruchs im Jahre 1054 ist.

 

Der Krebsnebel

 

Der berühmte Zirrus-Nebel im Schwan hingegen geht auf eine Supernova zurück, die wahrscheinlich bereits vor 30 000 Jahren explodiert ist. Während ein erheblicher Teil der Masse des explodierenden Sterns in die kosmische Umgebung hinausgeschleudert wird, bleibt bei massereichen Sternen ein kleines Gebilde mit extremen physikalischen Eigenschaften zurück: ein Pulsar. Pulsare (Neutronensterne) sind Endstadien der Sternentwicklung und weisen nur Durchmesser um 10 km bei Dichten von bis zu 1015 g/cm³ auf.

Am Ort des vermeintlichen Sterns von Bethlehem findet sich allerdings auch bei großzügiger Auslegung der Koordinaten des mutmaßlichen Standortes von Papkes Supernova kein Überrest. Es ist in höchstem Maße unwahrscheinlich, dass ausgerechnet das Relikt einer nur 2 000 Jahre alten Supernova übersehen worden wäre, lassen sich doch auch ältere und somit bedeutend schwieriger nachweisbare Reste gut finden.

Also auch diese These, dass der Stern von Bethlehem eine Supernova war, ist nicht mit den antiken Geschichtsquellen vereinbar, und damit so gut wie auszuschließen.

Die bisherigen Überlegungen zum Stern von Bethlehem sind von einem nüchternen naturwissenschaftlichen  Standpunkt aus angestellt. Um unsere Achtsterntheorie plausibel machen zu können, müssen wir nun allerdings etwas weiter ausholen.

 

Maria:

Die römischen Gottkaiser und die Sternkonstellationen zum Zeitpunkt ihrer Geburt

 

Wie die Sterne damals  in der vom allmächtigen Rom regierten Welt  das Schicksal der Menschen beeinflussten, wird viele verwundern, wenn nicht gar erschrecken! Rom, das die Weltherrschaft innehatte, hatte die Kultur der unterworfenen Völker aufgesogen und zu einer Weltanschauung entwickelt, in der die Sterne in einer heute kaum mehr vorstellbaren Art und Weise das Schicksal bestimmten und dies war berechenbar! Die Aufgabe der Schicksalsberechnung übernahmen die Mathematiker,  die nicht wie heute einfach Rechner waren, sondern die aus einer tiefen Erkenntnis heraus rechneten und deuteten. Und es sind noch genügend Geschichtsquellen vorhanden, um ein umfassendes Bild des römischen Sternenkults zu erhalten.

Um 41v.Chr. bringt Vergil, der bedeutendste Dichter, den Rom hervorgebracht hat, kurz nach der Ermordung von Julius Caesar, die Sehnsucht der römischen Bürger nach Frieden und Wohlstand zum Ausdruck. In dem 4. Gedicht seiner Gedichtesammlung „Eklogen“ kündet er für Rom einen messiasartigen Menschen an. Er begründet diesen astrologisch: Wegen der Wiederkehr des Planeten Saturn und wegen der Wiederkehr des Sternbildes der Jungfrau,  sieht er die Ankunft eines jupitergleichen Jünglings, der ein neues goldenes Zeitalter für Rom bringen wird. Den Mathematikern erscheint wegen eines überragenden Horoskopes der Sohn Gallus Asinius des derzeit regierenden Konsuls Pollio als der von Vergil Angekündigte.

Obwohl  Gallus Asinius vom  mächtigsten Mann der Zeit, dem ersten römischen Kaiser Augustus, immer bevorzugt behandelt wurde, gelingt es  dem so Hochgelobten nicht, auf dem so viele Erwartungen liegen, römischer Kaiser  zu werden.  Gallus Asinius Pollio ist ein seltenes Beispiel dafür, dass ein offensichtlich großartiges, aber in weiten Kreisen bekanntes Horoskop den Aufstieg in höchste Positionen sogar behindern konnte.

Anstelle des Asinius Pollio wurde der Stiefsohn des Augustus  Tiberius der Nachfolger von Augustus als römischer Kaiser.

 

 

 

Augustus                                                       Tiberius         

Tiberius besaß ein ausgezeichnetes Horoskop, das allerdings nicht die überragende Qualität  des Horoskopes von Asinius Pollio hatte.  Tiberius war ein  Kenner und Anhänger der Astrologie und hatte den besten Astrologen der damaligen Zeit , den alexandrinischen Gelehrten Trasyllus an sich gebunden und hoffähig gemacht. Dieser riet ihm noch im Jahre 30, im 16. Jahr

seiner Regierungszeit, seinen früheren Konkurrenten Asinius Pollio gefangen zu nehmen und verhungern zu lassen.

Ganz anders als  bei Asinius Pollio erfüllte sich die Prognose der Mathematiker bei Hadrian, dem nachmaligen römischen Kaiser. Er besaß ein so großartiges Horoskop, dass es immer wieder publiziert wurde. Obwohl er nicht mit Kaiser Trajan verwandt war, wurde er wohl  hauptsächlich  wegen seines Horoskops von

Trajan adoptiert und  von ihm als sein Nachfolger bestimmt.

 

Hadrians Geburtskonstellation vom 24.Januar 76 um 7 Uhr am Morgen wurde mehr hervorgehoben als er selbst: "Dass er von allen Menschen verehrt wurde und  dass alle vor ihm niederknieten, dass er aber wahrlich auch ein äußerst wohltätiger Mann war, hat er  Jupiter zu verdanken, der bei seiner Geburt in Konjunktion mit dem Mond als  Begleiter der Sonne  aufging".

 

Hadrian                                                                                            Hadrians Geburtskonstellation vom 24.Januar 76

Diep:

Auch  Nero , der als einer der wirklich Bösen der Weltgeschichte bezeichnet wird, besaß ein so bemerkenswertes Horoskop, dass er zum römischen Kaiser geradezu prädestiniert erschien.  Allerdings wurde die an sich phantastische Geburtskonstellation vom 15.Dezember 37- die Sonne im Aszendenten, umringt und beschützt von Jupiter, Mars und Venus- durch den im Quadrat dazu violent stehenden Saturn empfindlich gestört. Deshalb werde er sein Kaiserreich verlieren, aber wegen der  im Widder liegenden Spitze des vierten Hauses, der sogenannten Himmelstiefe,  ein anderes Königreich gewinnen: das Königreich von Judäa. Weil die Sonne in seinem Geburtshoroskop direkt auf dem Aszendenten stand - er wurde am Morgen genau zum astronomischen Aufgang der Sonne geboren - sah er, der römische Kaiser, sich selbst als den Sonnengott. Die kolossale Statue des Sonnengottes Nero  gab dem Kolosseum, dem römischen Amphitheater, seinen Namen. All sein Handeln und Trachten stand unter diesem Signum. Schließlich ließ er sich noch  vom armenischen König Tiridates, der mit einem sagenhaften Gefolge von 3ooo sogenannten Magiern im Jahre 66 nach Rom gezogen kam, in die Mysterien des mythräischen Sonnenkultes einweihen, dessen Gott er selbst war. Vielleicht war die Tiridates-Reise  für die Magier des  erst 20 Jahre danach geschriebenen Matthäus-Evangeliums das Vorbild.

 

Nero                                                              Neros Geburtskonstellation vom 15.Dezember 37

Nachdem sich im Jahre 64 ein  unheilverkündender Komet  mehrere Monate über Rom gezeigt hatte, versuchte Nero auf den Rat seines Astrologen Balbillus hin, das für ihn so fatale Signum von sich abzuwenden, indem er einen großen Teil der römischen Elite beseitigen ließ, darunter auch seinen Erzieher und Lehrer, den bedeutenden stoischen Philosophen Seneca. Schließlich setzte Nero, nachdem er von seinen vielen Feinden immer mehr in die Enge getrieben  worden war, seinem Leben im Jahre 68 durch Selbstmord ein Ende, als er  wieder  unter dem Einfluss seines Mathematikers Balbillus einsehen musste, dass gerade der in seinem Horoskop ungünstig gestellte Saturn  ihm dies nahe legte.

Der Mathematiker-Astrologe Balbillus hatte auch schon Kaiser Claudius, dem Vorgänger Neros gedient  und sollte  später noch den Nachfolgern Vespasian, Titus und Domitian dienen. Er  gehörte jenem berühmten adligen Geschlecht Alexandrias an, das  seit den Zeiten Alexanders des Großen immer wieder

bedeutsame Gelehrte hervorgebracht hatte. Sein Vater Trasyllus, der Augustus und Tiberius  als Astrologe gedient hatte, gehörte dazu, genau so wie  später seine Tochter Balbilla, die zum  astrologischen Gefolge Hadrians zählen sollte.

Man kann ohne Übertreibung sagen, dass  diese Familie mit ihrem Einfluss auf die  Mächtigen des römischen Reiches wie niemand anderes das Schicksal des Reiches bestimmte. Sie waren Kaisermacher, wenn sie nur wollten - mit ihren Prognosen  konnten sie aber auch vernichten, wie vor allem das Beispiel des Kaisers Domitian zeigt.

 

Maria:

Sueton, der Geschichtsschreiber der römischen Kaiser,  berichtet :"Seit langer Zeit hatte Domitian sichere Kenntnis vom Jahr und Tag seines Todes, in der Tat sogar von der Stunde und der Art und Weise seines Endes...Sogar sein Vater machte sich einmal am Tisch über ihn lustig, als er sich weigerte, von bestimmten Pilzen zu essen:" Kennt er das Schicksal, das auf ihn wartet, nicht viel besser?! Er sollte sich vor Eisen fürchten und nicht vor Pilzen."  Domitian sah sich von allen und jedem bedroht, er ließ von jedem  in seinem Umkreis  das Horoskop errechnen. Man kann sich vorstellen, mit welcher Brutalität und Härte Domitian gegenüber denjenigen vorgegangen ist, von denen seine Mathematiker ein herrschaftliches Horoskop erstellt hatten. Je näher der vorbestimmte Termin rückte, desto hysterischer versuchte der Kaiser seinem Schicksal zu entkommen. Die Umstände seines Todes gleichen dem eines allerschlimmsten Gruselstücks.

 

Domitian

Der Todestermin war schon seit langem öffentlich bekannt. Die von Domitians Ehefrau angeheuerten Mörder konnten sich als Vollstrecker des kosmischen Planes sehen, als sie am 18.September 96 zur genau vorbestimmten Stunde den mächtigsten Mann der damaligen Welt mit der vorbestimmten Waffe, dem Schwert, töteten.

Wie man sieht, spielte die Astrologie für das römische Reich die allergrößte Rolle. Wie war es möglich, dass eine heute nicht mehr ernst genommene Lehre von dem Einfluss der Sterne auf das menschliche Schicksal  das Weltbild der Alten so umfassend und vollständig durchdrang?

Seit dem Erlass des Augustus im Jahre 11n.Chr. blieb es Unbefugten untersagt, ein Horoskop für den Kaiser  oder dessen Angehörige zu erstellen oder in Umlauf zu bringen. Trotzdem beschäftigten sich die führenden Kreise und Gebildeten mehr oder weniger intensiv mit der gelehrten Sterndeutung.

Zwischen 16n.Chr. und 94n.Chr. kam es zu elf Ausweisungen von Astrologen, um die Kontrolle über die deutende Zunft nicht aus der Hand zu geben.

Die Erlasse waren allerdings zunächst immer nur gegen die Astrologen und nicht gegen die Astrologie gerichtet. Auch im Edikt Diokletians von 294, das in den Codex Justinianus eingeflossen ist, ist die Ausübung der Astrologie gemeint :“Die Wissenschaft der Geometrie zu erlernen und auszuüben, liegt im öffentlichen Interesse,  die Mathematik  hingegen ist verdammenswert und deshalb verboten.

Die Kaiser Valentinian und Valens verdammen schließlich die Astrologie in den Edikten von 371 und 373. Es soll die Todesstrafe erleiden, wer Astrologie lehrt oder lernt.

Allerdings sahen die Gelehrten der damaligen Zeit, deren Gelehrtsein ja im Heidentum wurzelte, die Verbote als Wissensbeschränkung an und dementsprechend verhielten sie sich auch und ließen sich nicht abbringen weiterhin  Astrologie zu betreiben.

Noch beim Konstanzer Konzil im Jahre 1414 hatte ein Kardinal, der sich vor allem als Astrologe hervorgetan hatte, eine leitende Stellung. Pierre d’Ailly, der nach langer Vergessenheit,  im 19.Jahrhundert wegen seiner Vorhersage der französischen Revolution im  Jahr 1789 wieder berühmt wurde , verteidigte vor den Kirchenfürsten aus aller Welt den Vorrang der Päpste über die Konzilien.

 

Diep:

Was also machte die Astrologie, die Mathematik der Alten, zu einem für die Gelehrten einzigartigen Faszinosum?

Die Astrologie  um die Zeitenwende geht in der abgemilderten Sichtweise der von Rom unabhängigen hellenistischen Philosophen von einer Harmonie des Kosmos aus, in der alle irdischen Ereignisse bereits im voraus von den Sternen angezeigt werden. Wohl  können die Forscher aus zuverlässigen Beobachtungen des Himmels zukünftige Geschehnisse erkennen,  die aber in letzter Konsequenz nicht schicksalhaft notwendig eintreten müssen.

Der jüdische Philosoph Philo war ein Vertreter dieser Sichtweise. Er stammte wie das Astrologen-Geschlecht der Balbilli aus Alexandria und war ihr Zeitgenosse. Zu der berühmten Bibelstelle  Genesis 1,14-19, die als eigentliche Begründung der Astrologie gilt, führt er aus, dass Sonne, Mond und die Planeten nicht allein zur Anzeige von Tag und Nacht eingesetzt seien, sondern als Zeichen, die das Zukünftige ankündigen. Damit meint er nicht nur, dass landwirtschaftliche Prognosen möglich sind, sondern dass irdische Ereignisse im allgemeinen durch die himmlischen Phänomene angezeigt werden. Nach ihm repräsentieren die Planeten die vollkommene Schöpfungsordnung, die von Gott als dem Lenker der Welt in den Kosmos eingegeben wurde.

Die  römische Astrologenschar und  der römische Adel begnügten sich nicht mit dieser vornehmen Sichtweise. Für sie war alles bis auf das kleinste in den Sternen vorherbestimmt und für sie war der Kosmos wie ein spannendes Buch, das man nur richtig zu lesen brauchte, um alles über das zukünftige Schicksal zu wissen.

Die Hofastrologen kündeten Vespasian schon lange vor seinem Aufstieg zum Kaiser seinen unglaublich erfolgreichen Werdegang an und waren sich auch sicher, dass seine Söhne ihm ähnlich erfolgreich nachfolgen würden. Da nicht all zu lange nach dem von den Astrologen gegebenen himmlischen Versprechen sein Aufstieg zum Kaiser auf selbstverständlichste Art erfolgte, stieg  sein Vertrauen und das seiner Familie zu den Astrologen ins Unermessliche.

Gegen seinen Sohn Titus  war eine Verschwörung geplant, so steht es bei dem römischen Geschichtsschreiber Cassius Dio : Zwei Patrizier wurden überführt. Aber Titus ermahnte sie lediglich , von ihrem Plan Abstand zu nehmen, denn der Thron würde vom Schicksal zugeteilt werden. Er schaute sich auch ihre Horoskope an  und stellte fest, dass die beiden in großer Gefahr schwebten- in späterer Zeit, aber nicht durch ihn, was dann auch tatsächlich eintrat.

 

 

Vespasian                                                                Titus

 

 

 

Maria:

Die Achtsterntheorie

 

Um endlich auf den Stern von Bethlehem eben in dieser rigorosen  astrologischen Sichtweise  zurückzukommen, muss gesagt werden, dass Herodes und seine Berater erstklassige Kenner und Anhänger der Sternenkunde in all ihren Schattierungen waren. Ihm waren  die Prophezeiungen, die Vergil in seinen Eklogen wiedergibt, von einem neuen goldenen Zeitalter unter der Ägide  des Saturn, des Sternes der Juden,  in all ihren möglichen Realisierungen genauestens bekannt.

Der eigentliche Gott der Astrologen und der Wahrsagerei war der Pythische Apollon, der seinen Haupttempel in Delphi hatte. Herodes  ließ bereits um 40v.Chr., und dies ist erstaunlich für den König der Juden,  den Wiederaufbau des Tempels des Pythischen Apollons  auf Rhodos finanzieren. Auf jüdischem Territorium ließ er in Sebaste unweit von Cesarea zusätzlich einen Apollontempel errichten. Außerdem bedachte er immer wieder die Astrologeninsel Rhodos mit großzügigen Schenkungen, worin seine enge Verbundenheit mit der wissenschaftlichen Sterndeutung zum Ausdruck kommt.

Herodes war außerdem freundschaftlich verbunden mit Kaiser Augustus, dann mit Agrippa, dem Erbauer des Pantheons in Rom, und  auch mit der Familie des Pollio. Ja, er hoffte wohl an dem von Vergil prophezeiten Aufstieg der Familie Pollio teilhaben zu können.

Untersucht man die Planetentafeln für die in Frage kommende Zeit nach dem Stern von Bethlehem, also zwischen 7v.Chr. und 4v.Chr., dem mutmaßlichen Todestermin des Herodes, so gibt es eigentlich nur eine einzige Konstellation, die wie später bei Hadrian die Proskynese, den Kniefall vor dem Horoskopträger, verständlich machen könnte. Es ist der Morgen des 17.April 6v.Chr., direkt bei Sonnenaufgang.

 

Wie in Hadrians Horoskop steht die Sonne im Aszendenten. Sie wird flankiert auf der einen Seite von Venus, Saturn, Mond und Jupiter, auf der anderen Seite von Mars und Merkur. Ein wahrlich kaiserliches Horoskop. Allerdings hätten die Magier Herodes mit dieser Konstellation sicher nicht überraschen können. Aber vielleicht hat er sich gegenüber den Magiern einfach verstellt! Immerhin bietet das Horoskop vom 17. April interessante Ansätze:

Jupiter im Widder, von den beiden Lichtern Sonne und Mond umgeben, nicht weit entfernt vom  Saturn in den Fischen, kann auf die Geburt eines Königs für Judäa schließen lassen.

ABER die Konstellation des 17.Aprils  6v.Chr. ist lediglich die Konstellation für eine weltliche Größe und nicht für eine göttliche Person, wie sie  den Magiern vorgeschwebt war,

Horoskop vom 17.April 6 v.Chr

 

denn sonst hätten sie den  Weg von weit über 800km, für den sie mindestens 4 Wochen benötigten, nicht auf sich genommen.

Aber vielleicht war doch alles ganz anders, als man sich das nach den bisherigen Ausführungen vorstellen mag.

Was sagt die frühchristliche und mittelalterliche Kunst zum Stern von Bethlehem?

Man sieht auf den Fresken, den Mosaiken, den Elfenbeinbildwerken, den Holzbildwerken fast immer einen achtstrahligen Stern über Bethlehem stehen, der sicherlich mit der Prophezeiung in 4 Moses 24,13 in Verbindung zu sehen ist, dass ein Stern in Jakob aufgehen  und den Messias ankündigen soll.

 

An dieser Stelle kam im Vortrag eine Bildpräsentation mit Musikuntermalung - hier einige Bilder:

 

Achtsterndarstellung von einem Gewölbe des Chora-Klosters in Istambul, um 1320 entstanden

Die heiligen drei Könige und der Stern von Bethlehem, San Appolinare Nuovo in Ravenna, um 520 entstanden

Der Achstern-Klipeus auf dem Apsisbogen von San Vitale in Ravenna, um 550 entstanden

Die heiligen drei Könige vor Herodes, Santa Maria Maggiore in Rom, um 440 entstaneden

Diep:

Lässt sich die Achtstrahligkeit des Sternes in einer Planetenkonstellation für jene Zeit, also zwischen 7 und 4v.Chr., irgendwie nachweisen?

Unter einem Achtstern versteht man eine aus 8 Linien in einem Zug gezeichnete regelmäßige geometrische Figur, die 8 spitz zulaufende Ecken besitzt und wie ein Stern aussieht.

Und am 5. September 5v.Chr. ließ sich ein ziemlich regelmäßiger Achtstern in den Tierkreis einzeichnen, wobei sechs der acht  Ecken  mit Sonne, Mond, Saturn und Jupiter, Venus und Mars belegt waren. Die beiden verbleibenden Ecken waren gemäß den Regeln der antiken Astrologie mit Aszendent und Glückspunkt besetzt.

Nirgendwo in der antiken und mittelalterlichen Literatur ist eine derartige Konstellation bisher  zu belegen. Daraus lässt sich schließen, dass die Achtsternkonstellation wenn überhaupt nur ganz wenigen Astrologen der damaligen Zeit bekannt war. Und deshalb könnte Herodes von den  Mitteilungen der Magier durchaus überrascht worden sein.

Da die Magier weder des Griechischen oder des Lateinischen noch des Hebräischen mächtig waren, werden sie sich ohne Dolmetscher  auf Aramäisch mit  Herodes unterhalten haben, einer Sprache, die  im Nahen Osten  zu jener Zeit  so verbreitet war wie das Englisch heute in der ganzen Welt. Allerdings werden Missverständnisse nicht ganz auszuschließen gewesen sein. Sie könnten dann etwa  auf diese Art den Herodes informiert haben: “Unsere Aufgabe in Babylon ist es Planetentafeln für die Zukunft zu erstellen. Vor zwei Jahren fiel uns bei dieser Arbeit eine äußerst merkwürdige Planetenkonstellation  für den heutigen Tag, den 5. September 5v.Chr. auf, die auf ein göttliches Kind schließen lässt.

 

Achtsternkonstellation vom 5.September 5 v. Chr.

 

Der Leitstern dieser Konstellation ist Spica, der hellste Stern im Sternbild der Jungfrau und einer der hellsten  Fixsterne überhaupt. Spica, der Weizenährenstern, steht beim Sonnenuntergang sichtbar gerade zwischen Sonne und Mond, er ist sozusagen unter den Schutz der beiden Lichter gestellt. Und genau dieses Stellung zwischen Sonne und Mond hatte die Spica auch vor fast zwei Jahren beim Sonnenaufgang am 20.Oktober 7v.Chr.

Achtsternkonstellation vom 20. Oktober 7 n.Chr.

Und diese Stellung der Spica wird heute Abend bei Sonnenuntergang wieder zu sehen sein. Gleichzeitig  werden Sonne, Mond sowie Saturn, Jupiter, Mars und Venus auf sechs Ecken eines nahezu regelmäßigen Achteckes stehen, das in den Tierkreis einbeschrieben ist. Und auf den beiden restlichen Ecken befinden sich Aszendent und Glückspunkt. Uns ist bisher noch nie  eine Planetenkonstellation von solch großer Regelmäßigkeit aufgefallen.

 

Die Sonne in der Mitte des ersten Dekans der Jungfrau macht das dort sich befindende Bild einer Jungfrau, die auf einem Thron sitzt und einem Kind zu essen gibt, zur irdischen Realität. Schließlich weist Saturn im Widder auf Judäa hin. Deshalb sind wir hierher zu dir gekommen.“

Vielleicht dachte Herodes sofort an die Prophezeiung Vergils, die vor 36 Jahren  ein neues goldenes Zeitalter ankündigte, das im Zeichen Saturns und der Wiederkehr der Jungfrau stand. Das Bild der Jungfrau und ihres göttlichen Kindes hatte sich schon einmal vor langer Zeit in der Göttin Isis und ihrem göttlichen Sohn Horus realisiert. Allerdings sollte dieses goldene Zeitalter offensichtlich ohne ihn stattfinden. Dagegen hatte er etwas. Deshalb tötete er die unschuldigen Kinder von Bethlehem -  was soviel wie die Stadt des Brotes heißt, auf das der Weizenstern Spica den entscheidenden Hinweis gegeben hatte.

 

Maria:

Nun kommen wir noch einmal zu den astronomischen Formulierungen im Matthäus-Evangelium, die durchaus in unsere Theorie passen.

 Als die Magier nach antiker Gepflogenheit  bei Tag, wohl am späten Nachmittag, von Jerusalem nach Bethlehem zogen, erkannten sie den Weizenährenstern wieder, von der untergehenden Sonne und dem  Mond im ersten Viertel eingerahmt, so wie sie ihn bereits vor zwei Jahren im Aufgang gesehen hatten. Der Stern Spica ging vor ihnen her. Gemeint ist damit, wenn man die antike astronomische Fachsprache richtig interpretiert, dass der Stern entweder ein Fixstern war- also etwa die Spica, so wie wir es sehen - der sich fixiert am Himmelsgewölbe von Osten nach Westen bewegte oder doch ein  Planet sein konnte, der  nicht in seiner normalen Bewegung, also gegen das Himmelsgewölbe voranschritt, sondern sich gegenläufig, also sich in dieselbe Richtung wie das Himmelsgewölbe bewegte. Vom letzteren gehen wir nicht aus.

Als sie vor sich Bethlehem sahen, blieb der Stern direkt über dem Ort der Geburt stehen. Dies weist auf einen Planetenstillstand hin oder darauf, dass der in Frage kommende Fixstern, also die Spica, sich  gerade am Horizont, vor ihrem fast senkrechten Untergang befand, also der Sonne in ihrem Untergang nachfolgte. Der berühmteste  Astronom der Antike, Claudius  Ptolemäus von Alexandria,  bezeichnet diese Position der Spica als ihren Spät-Weststand. Daraus wurde dann, dass die  Spica zum Stehen kam, so wie es im Evangelium beschrieben wurde.

 

Diep:

Zuletzt abschließend: Der Termin 5.September 5v.Chr. erscheint uns ziemlich plausibel zumal er auch noch zwischen zwei auffallenden astronomischen Ereignissen  liegt.

1) Am 23.März 5 v. Chr. gab es eine totale Mondfinsternis.

2) Am 15. September 5v.Chr. gab es wiederum eine totale Mondfinsternis. Neben den beiden genannten totalen Mondfinsternissen gab es im ganzen Jahrzehnt nur noch eine weitere  am 10.Januar 1v.Chr.

Zur Geburt am 5.September 5v.Chr. passt auch  die mit dem zweiten Achtstern am 23. August  28 in Verbindung gebrachte Taufe Christi und sein Tod durch Kreuzigung am 7.April 30. Dann wäre Christus nach unserer Chronologie, und so wurde es auch von Eusebius im 4.Jahrhundert angegeben,  gerade 33 und ein halbes Jahr alt geworden.

 

Achtsternkonstellation vom 23. August 28 bei der Taufe Christi

 

Wenn der 5.September der Tag der Geburt Christi wäre, dann wäre der Termin 6.Januar, an dem bis ins 4.Jahrhundert der Geburtstag Christi gefeiert wurde und der genau 8 Monate vor dem 5. September liegt, der Tag der Empfängnis Christi. Man beachte, dass die Acht diejenige  Zahl ist, die immer schon mit Christus in Verbindung gebracht wurde. 

Zur Zeit des Kaisers Augustus, der am 23. September 63v.Chr. geboren war, ließ man neben seinem Geburtstag auch seine Empfängnis am 25. Dezember feiern. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, wenn  damals häufig der Zeitpunkt der Empfängnis als der eigentliche Zeitpunkt der Geburt angesehen wurde. Konstantin der Große verlegte wohl im Bewusstsein der Empfängnisfeier des vergöttlichten Augustus  den Geburtstag Christi oder besser die Empfängnis auf den 25. Dezember. Und auch dies passt:

Acht Monate später, also am 23.August, war nach unseren Berechnungen  gerade der Termin der Taufe Christi und  dies ist für das Konstantinische Zeitalter, als der christliche Glaube zur Staatsreligion wurde, als sich täglich Hunderte taufen ließen, wahrlich vom christlich-philosophischen Standpunkt der eigentliche Termin der Geburt Christi.

Und nun zu allerletzt: Für die Geburt Christi am 5.September, als den Termin, an dem Maria Christus gebar, spricht vom mathematischen Standpunkt  die symmetrische Verbindung mit dem Kreuzigungstermin Christi, dem 7.April! Der 5. September ist im Schaltjahr 5 v. Chr. zeitlich gesehen gleich weit vom Herbstanfang, dem 22.September, entfernt wie der 7.April im Gemeinjahr 30 n. Chr. vom Frühlingsbeginn, dem 21.März, jeweils 18 Tage.

 

Maria:

Unser Fazit

 

Der Weizenährenstern Spica ist der Stern der Stadt des  Brotes, der Stern von Bethlehem. Vielleicht aber auch nicht.

Und noch ganz kurz! Es gibt auch Meinungen, die besagen, der Stern sei ein Wunder Gottes gewesen- am Himmel erschienen und verschwunden, ohne  jegliches Zeichen zu hinterlassen, auch sind viele Theologen der Ansicht, dass es sich beim Stern von Bethlehem einfach um ein Symbol handelt.

Wir sind uns bewusst, dass wir nichts Endgültiges zum Stern von Bethlehem sagen konnten. Jeder möge selbst entscheiden!

Damit wären wir am Ende unserer Ausführungen angelangt. Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit und bitten Sie nun ihre Fragen zustellen.