Mobbing an der Schule – nicht mit uns!

Das Ludwig- Uhland-Gymnasium hat sich auf den Weg gemacht und nimmt als eine von 22 Schulen in Baden-Württemberg an einem Mobbing-Präventionsprogramm teil.

Das Phänomen durchzieht unsere ganze Gesellschaft Es kommt in allen Schulformen vor, in der Stadt genauso wie auf dem Land. Es findet in allen Altersstufen statt. In fast allen Schulklassen sind eine oder mehrere Personen davon betroffen. Schauplätze sind der Schulweg, der Pausenhof, der Flur, die Umkleide, das Internet – überall dort, wo Erwachsene nicht da sind.

„Uns war klar, dass wir etwas machen müssen“, blickt Schulleiter Georg Braun zurück. „Die Schule ist ein Lebensraum, in dem eine zunehmend heterogene Schülerschaft einen großen Teil des Tages verbringt. Deshalb ist es wichtig, dass sich alle in einem angst- und gewaltfreien Klima wohl und sicher fühlen. Wir Pädagogen wollten Verantwortung übernehmen, eine reflektierte Haltung zur Thematik entwickeln und uns selbst und unsere Schüler in ihrer Sozialkompetenz stärken.“

Seit über einem Jahr läuft nun an der Schule ein spezielles Programm: Es ist ein Anti-Mobbing-Programm, das sich schwerpunktmäßig zum Ziel setzt, bereits dort seine Wirksamkeit zu entfalten, bevor es überhaupt erst zu brisanten Fällen kommt – es will also vor allem präventiv greifen.

Zurück geht es auf ein Konzept des skandinavischen Psychologen Dan Olweus, der dieses bereits in den 80er-Jahren entwickelt hat. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es alle am Schulleben Beteiligten mit auf den Weg nimmt: Lehrer, Eltern, Schüler, auch die Sekretärinnen und den Sozialarbeiter. In den USA und Skandinavien wird das Programm seit Jahrzehnten mit großem Erfolg angewandt und ständig weiterentwickelt. Das LUG ist nun eine von insgesamt 22 Schulen in Baden-Württemberg, die seit dem Schuljahr 2015/16 das Programm umsetzen, das auch durch die Baden-Württemberg Stiftung im Rahmen des Aktionsprogramms „Psychische Gesundheit von Jugendlichen“ gefördert wird.

Angeleitet durch das Fachpersonal der Heidelberger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie bildeten sich zwei Lehrkräfte des LUG direkt in Heidelberg fort und transportierten ihr Wissen daraufhin in die Schule. Dort arbeitete sich das gesamte Kollegium während des vergangenen Schuljahres in regelmäßigen Sitzungen in Kleingruppen in das Thema ein. Auch der schulinterne Fortbildungstag und weitere Veranstaltungen standen mit Vorträgen von Fachreferenten und Workshops ganz im Zeichen der Thematik.

In einem nächsten Schritt wurden die Eltern mit ins Boot geholt und durch verschiedene Informationsangebote eingebunden, die auch ihnen ein geschärftes Auge und Fingerspitzengefühl bei der Thematik vermitteln wollen. Bereits zweimal haben auch die Schüler an einer Online-Umfrage teilgenommen, die Aufschluss über die Situation an der Schule bringen sollte.

Dabei kam laut der Auswertung durch die Uni Heidelberg heraus, dass das LUG in allen evaluierten Bereichen durchschnittliche Werte zeigt und demzufolge nicht mehr oder weniger Mobbing aufweist als andere Schulen.

Seit diesem Schuljahr greift das Programm nun auch an der Basis – der Schülerebene - und hat damit nun alle schulischen Strukturen durchdrungen: Einmal im Monat bekommt jede Klasse „ihre“ Olweus-Stunde. Ziel dabei ist es, einerseits ein Bewusstsein zu schaffen, was Beleidigungen und Schikanen bei den Betroffenen auslösen und andererseits bei den Schülern den Mut zu entwickeln, sich entweder selbst für die Betroffenen einzusetzen oder kritische Situationen zumindest bei Lehrern und Eltern anzuzeigen. Pädagogisch vermittelt wird dies beispielsweise, indem verbindliche Umgangsregeln eingeführt werden, die Wahrnehmung der Schüler mittels Rollenspielen geschult wird oder ganz konkret Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, wenn Schlimmeres passiert ist.

Schulintern zeigt das Programm schon erste Früchte: Beispielsweise wurde die Pausenaufsicht neu durchdacht und seit dem laufenden Schuljahr aufgestockt. Zudem bemühen sich alle Pädagogen verstärkt um genaueres Hinsehen– hierfür wurden eigens neue Kommunikationsformen eingeführt, die trotz der Größe der Schule prekäre Fälle sichtbar werden lassen sollen. Auch wurde dem Kollegium durch die regelmäßige Kleingruppenarbeit eine Möglichkeit des internen Austauschs gegeben. Weitere Schülerumfragen sollen außerdem folgen, um die Wirksamkeit des Programms zu testen.

Obwohl es auch kritische Stimmen unter den Kollegen am LUG gibt, überwiegt dennoch die Überzeugung, dass sich der Mehraufwand für die vielen Sitzungen gelohnt hat: „ Das schwierige Thema ist aus dem Verborgenen geholt und wir können ihm mit einem differenzierteren Blick und erweitertem Handlungsrepertoire begegnen“, war in der Lehrerschaft zu hören.

 

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