




Evaluation
am
Ludwig-Uhland-Gymnasium
Protokoll eines Versuchs
April 1999: Initiative der SMV
Die drei Schülersprecher kommen zum Schulleiter: "Wir möchten unsere Lehrer bewerten."
Folgende Gründe wurden genannt:
Schüler bekommen Noten, Lehrer nicht. Lehrer sollten eine Rückmeldung haben aus der Sicht der unmittelbar Betroffenen; Ziel: Verbesserung des Unterrichts. Aufwertung der Schülerpersönlichkeit; Versachlichung statt Emotionalisierung im Lehrer-Schüler-Verhältnis.
Die Kultusministerin wird zitiert (aus der Südwestpresse): Evaluation an Schulen sollte nicht (wie in Bayern) verordnet werden, sondern aus den einzelnen Schulen herauswachsen.
Mai 1999: Gespräche des Schulleiters mit einzelnen Lehrern (Stellvertreter, Verbindungslehrer etc.);
Abtasten der Vorstellungen und Meinungen. Folgende Grundsätze gewinnen Kontur:
Die Initiative der Schüler nicht einfach abschmettern. Man sollte sich auf einen Versuch / einen Anfang (?) einlassen. Die Freiwilligkeit der einzelnen Lehrer ist Voraussetzung. Die Umfrageergebnisse gelangen nur in die Hand des teilnehmenden Lehrers (nicht an Eltern, Schüler, Schulleitung).
Das weitere Vorgehen bleibt offen.
Mai/Juni 1999:
Schüler entwerfen einen möglichen Fragenkatalog, aus dem ein Fragebogen
entwickelt werden soll. Die Verbindungslehrer beraten sie dabei.
Man einigt sich auf folgende Grundsätze:
Keine
Werturteile über Lehrer und deren Unterricht. Keine angemaßte Kritik an
Dingen, für die den Schülern die Kompetenz fehlt (z. B. Fachwissen des
Lehrers, Qualität seines Unterrichts). Die Fragen sollen so formuliert
sein, daß Schüler ihre Wahrnehmung, ihre Meinung, ihre Eindrücke äußern.
Bei dem Fragebogen, der zustandekam, fiel auf,
dass es den Schülern vor allem um die eigene Befindlichkeit, um das Selbstverständnis ihrer Schülerrolle ging: Gleichbehandlung; Objektivität; Tempo und Klarheit der Stoffvermittlung; Transparenz der Anforderungen; Gerechtigkeit der Notengebung; Möglichkeiten der eigenen Meinungsäußerung.
dass dagegen die Kriterien der professionellen Beurteilung von Lehrerleistungen für die Schüler keine Rolle spielten: Kenntnisse; Fähigkeiten der Vermittlung; Methodik; erzieherisches Wirken.
In einer weiteren Beratungsrunde (SMV, VL, SL) einigte man sich noch auf die Bezeichnung der Bewertungsgrade: keine Leistungsbewertung, keine Schulnoten, kein Punktesystem. Das mehr oder weniger lachende Gesicht ("smiley") sollte eher Stimmungen wiedergeben und einen spielerischen Umgang zulassen.
Die Offenheit des Fragebogens: Jeder teilnehmende Lehrer kann den Wortlaut der Fragen verändern, kann Fragen weglassen oder hinzufügen; jeder Schüler kann Anmerkungen machen oder eigene Beobachtungen beitragen.
Juni/Juli 1999: In einer Gesamtlehrerkonferenz wurden der Fragebogen und das Projekt vorgestellt. Die Meinungen waren teils aufgeschlossen, teils verhalten. In der Diskussion ergaben sich folgende Gesichtspunkte:
Freiwilligkeit und Anonymität sind unabdingbar. Ein gewisser Gruppendruck auf nicht teilnehmende Lehrer wird allerdings befürchtet. Auch bisher war es ja schon jedem, der wollte, möglich, eine solche oder ähnliche Rückmeldung einzuholen.
Die Fragebogen sollten den Schülern nicht nach Hause mitgegeben werden (Gefahr des Mißbrauchs), sondern in einer Unterrichtsstunde ausgegeben und wieder eingesammelt werden.
Juli 1999: Ungefähr zehn Lehrkräfte führten die Befragung in ihren Klassen bzw. Kursen durch.
Vorstellung des Projekts in der Schulkonferenz: Große Zustimmung bei
den Eltern und Schülern unter den Teilnehmern.Erste Erfahrungen:
Spontane Gespräche teilnehmender Lehrer untereinander: Austausch gemeinsamer Befürchtungen, "Ängste" vor der Befragung; Erleichterung über den freundlich-sachlichen Grundtenor der Ergebnisse; Bewußtwerdung von Verbesserungsmöglichkeiten. Eine Form der Rückmeldung an die Schüler erscheint notwendig, besonders in Fällen, wo die Vorstellungen der Schüler mit den Intentionen des Lehrers nicht übereinstimmen (Beispiel: Die Frage eines detaillierten Tafelanschriebs in der Oberstufe). Vorherrschende Meinung: Nicht einschlafen lassen! Mehr Lehrer dazu gewinnen! Die Aktion fördert die Offenheit und Sachlichkeit des Schulklimas.
Die Schüler fühlen sich ernstgenommen, ihr Verantwortungsbewußtsein wird gestärkt.
Wie soll es weitergehen?
Erfahrungsaustausch der teilnehmenden Lehrer der ersten Runde in einem freiwilligen Gesprächskreis. Notwendige Modifizierung des Fragebogens.
Erfahrungsbericht in einer Gesamtlehrerkonferenz mit dem Ziel, Ängste abzubauen und weitere Lehrkräfte zur Teilnahme zu ermuntern.
Der Fragebogen zum Ausdrucken (wird in einem neuen Fenster geöffnet).
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| Anhang | Datum | Größe |
|---|---|---|
Fragebogen Evaluation | 07/01/09 5:14 pm | 71.5 KB |
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